Die Serie zum Thema "Umgang mit Gefühlen" ist nicht vollständig ohne das unangenehme Gefühl, um das wir im Leben eben auch nicht herumkommen:
Ärger. Der Titel "kreativ sauer sein" deutet schon die Richtung an, um die es geht: Ärger ist Energie und lässt sich konstruktiv nutzen.
Der Ausdruck "ich ärgere mich" zeigt schon, dass es da um eine Aktivität geht, die wir uns gewissermassen selbst "antun", die Formulierung
"etwas" oder "jemand" ärgert mich, zeigt, dass es meist um ganz konkrete Dinge geht, die Ärger verursachen.
"Ärger ist ein emotionaler Hinweis darauf, dass sich der Mensch in einer Situation befindet, die es erfordert, diese Situation zu
überwinden."
- So steht es bei Wikipedia.
Zwei Gedanken lassen sich hier ansetzen. Zum einen geben Gefühle einen Hinweis darauf, dass irgend etwas nicht stimmt. Zum zweiten kann ein Gefühl eine Richtung
angeben, wo sich etwas ändern könnte oder sollte. Mit Gefühlen umzugehen bedeutet zunächst, Gefühle zu klären - also heraus zu
finden, was es denn nun eigentlich ist, das den Ärger ausgelöst hat. Der Zusammenhang zwischen Gefühlen und Gedanken wurde auch schon mehrfach angedeutet - Frage also: mit welchen Gedanken hat
das Gefühl "Ärger" zu tun und welche Schlussfolgerungen lassen sich daraus ableiten?
Als Methode lässt sich die
Satzergänzung einsetzen: "ich ärgere mich über..." und - etwas tiefer gehend - "ich ärgere mich über...., weil...". Ein solcher Klärungsprozess kann auch Abstand ermöglichen - lohnt es sich, sich
über das Ärgerliche aufzuregen oder geht es nur immer wieder um Kleinigkeiten, die an sich "nicht der Rede wert" sind? Laufe ich mit festen Vorstellungen darüber durch die Gegend, wie etwas
Bestimmtes sein sollte, wie sich dieser oder jene verhalten sollte und ärgere mich dann jedes Mal, wenn irgend etwas einfach nicht so ist, wie ich das gerne hätte? Weiter: warum eigentlich
sollten sich Menschen so verhalten, wie ich das gerne hätte, warum sollte überhaupt irgend etwas auf der Welt so sein, wie ich mir das gerade vorstelle?
Der sicherste Weg, sich möglichst oft zu ärgern, ist also, möglichst viele ganz konkrete Vorstellungen davon zu entwickeln, was wie genau zu sein hat und wer sich wie genau
unbedingt verhalten muss. Sich von solchen Vorstellungen zu lösen, bringt dann auch auf einer grundsätzlichen Ebene mehr Gelassenheit ins Leben und setzt dem Ärger dort ein Ende, wo es um Dinge
geht, die entweder natürlich - oder eben ausserhalb des eigenen Einflussbereiches liegen. Es macht eben wenig Sinn, sich darüber zu ärgern, dass "im Wald Bäume stehen", "der Himmel blau" ist und
andere Menschen eben nicht immer genau das tun, was ich gerne hätte. Klar ist: ob das Gefühl "Ärger" ensteht oder nicht, hat viel damit zu tun,
wie wir eine konkrete Situation bewerten - ändert sich die Bewertung, ändert sich auch das Gefühl.
Damit ist aber noch nicht erläutert, was es mit dem Ausdruck "kreativ sauer sein" auf sich hat - es gibt eben auch Dinge, die es wirklich wert
sind, Ärger auszulösen, Dinge, die wichtig und prinzipiell auch geändert werden können. Frage also: kann ich an dem, was mich ärgert, etwas ändern, lohnt es sich, Energie einzusetzen, um an
irgend einer Stelle etwas anders zu machen? Viele Erfindungen gehen auch auf Ärger zurück - wertvolle Entwicklungen können aus dem Impuls entstehen, an dem, was Ärger verursacht, etwas zu
verändern. Und dort wird Ärger ein wertvolles Gefühl - es liefert Energie und Ansatzpunkte dafür, das eigene Leben mehr und mehr nach den eigenen Wünschen zu gestalten. Gesundheit heisst also
nicht, sich niemals über etwas zu ärgern - entscheidend ist die Frage, ob sich Ärger sinnvoll nutzen lässt, und dort, wo das Gefühl selbst nur destruktiv wird, aufgelöst werden kann. Sich weniger
zu ärgern, wenn aber, dann schon so, dass etwas Konstruktives daraus entsteht - das ist eine Richtung, die zu mehr Lebensfreude führt.
Linktipps: Ärgertest, Ärger, Ärger und Wut
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