Dienstag, 24. juni 2008

Sensibilität in allen Ehren - ein Waschlappendasein ist nicht das Ziel reifer Männlichkeit. Um es auf den Punkt zu bringen: Männer müssen auch etwas aushalten können. Eines ist auffällig: Kinder, die von ihren Eltern verwöhnt werden, die kein noch so geringes Wehwechen aushalten können, die alles bekommen, was sie wollen, wenn sie nur laut genug schreien, sind geradezu prädestiniert, eine Suchterkrankung zu entwickeln. Alkoholiker und Drogenabhängige sind sehr häufig sensible Menschen, bei Männer fehlt meist ein Vorbild. Mit "Vorbild" meine ich damit nicht ein Modell "besonders harter Männlichkeit", sondern einen Mann, der eben auch mit "weichen" Gefühlen umzugehen weiss, ohne sich dabei einfach hängenzulassen und im Selbstmitleid zu baden.

Grund genug also, über die männlichen Vorbilder in der Gesellschaft nachzudenken, Grund genug zu fragen, woran sich junge Männer orientieren können, wenn sie den Wert ihrer Gefühle erkannt haben und danach fragen, was sie nun mit diesen "Dingern" anfangen sollen. Da Bedürfnis, mit Suchtmitteln Gefühle "wegzumachen", weil sie nicht bewältigt werden können, ist mit genauerer Kenntnis der Hintergründe zwar nachvollziehbar - es zeigt aber auch das Problem auf, dass hier eine Tradition fehlt, die dem reifen Umgang mit Gefühlen eine feste Form verleiht. Dürfen Männer traurig sein? Dürfen Männer weinen? Dürfen Männer auch andere Gefühle zeigen als Aggression? Was ist eigentlich Stärke, wenn es um Gefühle geht? Wie gehen Männer mit Schmerzen um? Darf ein Mann auch einmal unsicher sein? Nicht zuletzt: was ist eigentlich Ehre, was ist Stolz?

Männer und Gefühle, Sensibilität und emotionale Stärke - das scheint ein Entwicklungsland zu sein, voller Fragen und Entdeckungen...

von Methusalem veröffentlicht in: Gefühle Community: Wellness und Gesundheit
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Dienstag, 29. april 2008

Die Serie zum Thema "Umgang mit Gefühlen" ist nicht vollständig ohne das unangenehme Gefühl, um das wir im Leben eben auch nicht herumkommen: Ärger. Der Titel "kreativ sauer sein" deutet schon die Richtung an, um die es geht: Ärger ist Energie und lässt sich konstruktiv nutzen.

Der Ausdruck "ich ärgere mich" zeigt schon, dass es da um eine Aktivität geht, die wir uns gewissermassen selbst "antun", die Formulierung "etwas" oder "jemand" ärgert mich, zeigt, dass es meist um ganz konkrete Dinge geht, die Ärger verursachen.

"Ärger ist ein emotionaler Hinweis darauf, dass sich der Mensch in einer Situation befindet, die es erfordert, diese Situation zu überwinden."

- So steht es bei Wikipedia.

Zwei Gedanken lassen sich hier ansetzen. Zum einen geben Gefühle einen Hinweis darauf, dass irgend etwas nicht stimmt. Zum zweiten kann ein Gefühl eine Richtung angeben, wo sich etwas ändern könnte oder sollte.
Mit Gefühlen umzugehen bedeutet zunächst, Gefühle zu klären - also heraus zu finden, was es denn nun eigentlich ist, das den Ärger ausgelöst hat. Der Zusammenhang zwischen Gefühlen und Gedanken wurde auch schon mehrfach angedeutet - Frage also: mit welchen Gedanken hat das Gefühl "Ärger" zu tun und welche Schlussfolgerungen lassen sich daraus ableiten?
Als Methode lässt sich die Satzergänzung einsetzen: "ich ärgere mich über..." und - etwas tiefer gehend - "ich ärgere mich über...., weil...". Ein solcher Klärungsprozess kann auch Abstand ermöglichen - lohnt es sich, sich über das Ärgerliche aufzuregen oder geht es nur immer wieder um Kleinigkeiten, die an sich "nicht der Rede wert" sind? Laufe ich mit festen Vorstellungen darüber durch die Gegend, wie etwas Bestimmtes sein sollte, wie sich dieser oder jene verhalten sollte und ärgere mich dann jedes Mal, wenn irgend etwas einfach nicht so ist, wie ich das gerne hätte? Weiter: warum eigentlich sollten sich Menschen so verhalten, wie ich das gerne hätte, warum sollte überhaupt irgend etwas auf der Welt so sein, wie ich mir das gerade vorstelle?
Der sicherste Weg, sich möglichst oft zu ärgern, ist also, möglichst viele ganz konkrete Vorstellungen davon zu entwickeln, was wie genau zu sein hat und wer sich wie genau unbedingt verhalten muss. Sich von solchen Vorstellungen zu lösen, bringt dann auch auf einer grundsätzlichen Ebene mehr Gelassenheit ins Leben und setzt dem Ärger dort ein Ende, wo es um Dinge geht, die entweder natürlich - oder eben ausserhalb des eigenen Einflussbereiches liegen. Es macht eben wenig Sinn, sich darüber zu ärgern, dass "im Wald Bäume stehen", "der Himmel blau" ist und andere Menschen eben nicht immer genau das tun, was ich gerne hätte. Klar ist: ob das Gefühl "Ärger" ensteht oder nicht, hat viel damit zu tun, wie wir eine konkrete Situation bewerten - ändert sich die Bewertung, ändert sich auch das Gefühl.

Damit ist aber noch nicht erläutert, was es mit dem Ausdruck "kreativ sauer sein" auf sich hat - es gibt eben auch Dinge, die es wirklich wert sind, Ärger auszulösen, Dinge, die wichtig und prinzipiell auch geändert werden können. Frage also: kann ich an dem, was mich ärgert, etwas ändern, lohnt es sich, Energie einzusetzen, um an irgend einer Stelle etwas anders zu machen? Viele Erfindungen gehen auch auf Ärger zurück - wertvolle Entwicklungen können aus dem Impuls entstehen, an dem, was Ärger verursacht, etwas zu verändern. Und dort wird Ärger ein wertvolles Gefühl - es liefert Energie und Ansatzpunkte dafür, das eigene Leben mehr und mehr nach den eigenen Wünschen zu gestalten. Gesundheit heisst also nicht, sich niemals über etwas zu ärgern - entscheidend ist die Frage, ob sich Ärger sinnvoll nutzen lässt, und dort, wo das Gefühl selbst nur destruktiv wird, aufgelöst werden kann. Sich weniger zu ärgern, wenn aber, dann schon so, dass etwas Konstruktives daraus entsteht - das ist eine Richtung, die zu mehr Lebensfreude führt.

Linktipps: Ärgertest, Ärger, Ärger und Wut

 

 

 

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Montag, 28. april 2008

Lust und Liebe, Erotik und Triebe... jede Menge Literatur gibt es bereits dazu, haufenweise Ratgeber, nette Artikel und nüchterne Forschungsergebnisse, und vieles davon (man verzeihe mir meine Offenheit) ist einfach nur Müll. Der Umgang mit Gefühlen, das ist der Zusammenhang, um den es hier geht. Präziser: es geht um Beziehungsprobleme. Aber zunächst zu einigen Begriffsklärungen... in der Enzyklopädie Wikipedia findet sich die von Platon stammende Unterscheidung von Eros, Philia und Agape. Für die Differenzierung des je eigenen Gefühlslebens ist es eine Klärung wert, in welche Kategorie eine bestimmte Empfindung gehört.

Die sinnlich-erotische Liebe, die mit Begehren, Leidenschaft und dem Wunsch, wieder geliebt zu werden, verbunden ist, wird vor allem dort zum Problem, wo sie nicht erwidert wird. Kritisch ist hier vor allem die Verbindung mit Besitzdenken oder dem Gedanken, Gegenliebe irgendwie erzwingen zu wollen oder zu können. Liebeskummer kann durchaus zu einem ernsten Problem werden - so lange, bis sich die Einsicht durchsetzt, dass gegenseitige Liebe eben auf Freiwilligkeit beruht und nicht "machbar" ist.

Philia als Freundesliebe steht der Sympathie sehr nahe und beruht auf gegenseitigem Verstehen.

Agape schließlich bezeichnet nach Platon die selbstlose Liebe, die das Wohl des Anderen im Sinn hat.

Zu den vielfältigen Zusammenhängen, in denen der Begriff "Liebe" verwendet wird, gehört auch die Interessenliebe, als Liebe zu einem Hobby, einem Interessengebiet, der Wissenschaft, der Kunst usw.
Neben philosophischen Gedankengängen, die sich der Klärung der verschiedenen Bedeutungsgehalte des Begriffs widmen, stellen sich rein praktische Fragen, die das Problemfeld "liebevoller Gefühle" betreffen. Interessant ist hier das Werk von Erich Fromm, der in seiner "Kunst des Liebens" den marktwirtschaftlichen Charakter der Liebe beschreibt. Ein wichtiger Grundgedanke ist die Unterscheidung von Lieben und Verliebtsein. Sich zu verlieben ist ein Prozess, der "einfach so passiert", lieben dagegen etwas, das Wissen und Erfahrung voraussetzt. Von hier aus lassen sich Grundfragen der Beziehungsgestaltung neu stellen: was ist eine "gute Beziehung?", "was ist Beziehungsfähigkeit?" und was sind Einstellungen, die reife und dauerhafte Beziehungen ermöglichen?
Aus der längeren Auseinandersetzung mit dem Thema Konfliktfähigkeit sind mir dabei vor allem zwei Elemente wichtig geworden - Empathie und Perspektivenwechsel. Eine Einführung in das Thema Empathie als Element sozialer Komptenz findet sich auf der Website von André Moritz. Der Zusammenhang zum Thema Perspektivenwechsel ist im Artikel bei Wikipedia zum Thema Empathie angedeutet. Diese Begriffe genauer unter die Lupe zu nehmen kann bald schon zu der Erkenntnis führen, dass es hier um umfassende und zum Teil sehr schwierige Prozesse geht. Nette Artikel und Ratgeber, die Tipps auf der Verhaltensebene vermitteln, greifen vor allem dann zu kurz, wenn diese Kernelemente der Beziehungsgestaltung dabei unberücksichtigt bleiben. Wenn Liebe und Lust nicht auf die sinnlich-erotische Komponente reduziert werden, eingebettet sein sollen in eine reife Beziehungsgestaltung, dann geht es um mehr als "richtiges Verhalten", "Technik" oder "Mittel". Dort, wo dem einen oder der anderen die Lust vergangen ist, spielen sehr wahrscheinlich ganz konkrete Konflikte eine Rolle - der Versuch, die Perspektive zu wechseln, die Welt mit anderen Augen zu sehen, sich einzufühlen in die Welt des oder der anderen ist ein Weg, der notwendigerweise dort hin führt, wo sich die "Kunst des Liebens" ganz konkret entwickeln lässt.

Das Miteinandersprechen wird zum realen Vollzug sozial-emotionaler Sinnlichkeit.

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