Montag, 30. juni 2008

Kommentare regen an... Echtheit ist sowieso ein Thema, über das es sich nachzudenken lohnt, Echtheit oder Authentizität gehört nicht zufällig zu den Idealen der humanistischen Psychologie, ist (meist als Kongruenz bezeichnet) einer der zentralen Variablen in der klientenzentrierten, später der personenzentrierten Gesprächspsychotherapie. Echtheit ist ansteckend, viele soziale Prägungen wirken ihr aber auch entgegen. Echtheit hat nichts mit Rücksichtslosigkeit zu tun - Ruth Cohn hatte sich einmal sehr kritisch zu Tendenzen in Gruppen geäußert, die aus dem Begriff "Echtheit" das Recht ableiteten, dem anderen "mit der Faust ins Gesicht zu fahren". Deshalb schrieb sie ja auch die Regel auf "sei authentisch und selektiv", also wähle, sei Dir dessen bewusst, was Du tust.

Echtheit denke ich also mit Bewusstheit zusammen - echt kann man nur sein, wenn man ein gewisses Bewusstsein seiner selbst entwickelt hat und dann auch zu dem stehen kann, was man so von sich gibt. Integrität, also die Übereinstimmung zwischen dem, was man sagt und dem, was man tut, ist ein verwandter Begriff. Als Denkanstoß können solche Begriffe aufmerksam machen, aufzeigen, wie oft und in wie vielen Situationen etwas vorgetäuscht, getarnt, verzerrt und verbogen wird, vielleicht um "gut dazustehen", aber letzten Endes immer um den Preis, Glaubwürdigkeit zu verlieren. Wahrhaftigkeit - noch ein Begriff, der auf einer ähnlichen Linie liegt - ist nicht so selbstverständlich. Und Transparenz im Sinne von Klarheit, Zuverlässigkeit und Deutlichkeit liegen auch in der Nähe.

Das entscheidende Argument für Echtheit aber liegt in den Erfahrungen, die sich daraus ergeben. Echtheit spart Energie - jene Energie, die andere für das Aufpolieren der eigenen Fassade aufwenden, steht für andere Dinge zur Verfügung. Wer echt ist, macht sich und anderen nichts vor. Das hat was!

Dass der EM-Titel an die Spanier ging, ist für die deutsche Mannschaft ECHT schade. Aber ein Spiel ist ein Spiel ist ein Spiel.

von Methusalem veröffentlicht in: Lebenskunst Community: Wellness und Gesundheit
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Mittwoch, 7. mai 2008

Neu entdeckt und als Denkanstoss empfohlen: der philosophische Gesundheitstest. Was sich dabei zeigen kann, sind inkonsistente Einstellungen, also innere Widersprüche, Einstellungen, die nicht so recht zusammenpassen. So ganz nebenbei - hat Gesundheit etwas mit Philosophie zu tun? Kognitive Therapieansätze beschäftigen sich mit Denkmustern, mit der Art und Weise, wie wir Ereignisse erklären, bewerten und dementsprechend auf sie reagieren. Der Gedanke liegt also nahe, dass es "gesunde" und "kranke" Einstellungen gibt. Etwas allgemeiner formuliert: es gibt Gedankengänge, die der Gesundheit förderlich sind und andere, die zumindest problematisch, wenn nicht gar Bestandteil einer psychischen Störung mit Krankheitswert sind. Im Wissenschaftsbetrieb wird in der Regel von einer Theorie gefordert, dass sie widerspruchsfrei ist. Widerspruchsfreiheit bedeutet dabei auch, dass sie mit empirischen Forschungsergebnissen übereinstimmen muss - auch wenn diese Beobachtungen nicht der Alltagserfahrung zugänglich sind. Wenn die Beobachtungen nicht mehr mit der Vorstellung vereinbar sind, dass sich die Sonne um die Erde dreht, muss irgend etwas faul sein...
Wissenschaft hin oder her - der Gedanke, dass auch "ganz normale Menschen" Theorien entwickeln, ist in der wissenschaftlichen Psychologie ja nicht mehr neu. Wenn man die Erkenntnis bestimmter Regelmässigkeiten als Grundbausteine der Theoriebildung akzeptiert, handelt es sich um einen Prozess, der bereits in frühester Kindheit beginnt. "Wenn ich lange genug und laut genug schreie, kommt jemand und kümmert sich um mich" - so könnte die Formulierung einer frühen Theorie lauten, die noch nicht einmal in Worte gefasst, nicht sprachlich ausgedrückt ist. Wenn sich solche Theoriebildungen mehr oder weniger automatisch entwickeln, ist es nicht verwunderlich, dass sich hier und da Widersprüche einschleichen. Der gesunde Verlauf der kognitiven Entwicklung müsste dann darin bestehen, neue Erfahrungen zu integrieren, das je eigene subjektive Theoriegebäude immer wieder zu überprüfen und anzupassen. Widersprüche, die Unsicherheiten und Zweifel auslösen, fordern also zum Nachdenken auf - mit dem Ziel, Dissonanz zu reduzieren.
Dort, wo es gelingt, innere Widersprüche aufzulösen, findet sich die alltagssprachliche Formulierung wieder, "mit sich selbst im Reinen zu sein". Innere Harmonie also ergibt sich aus Erkenntnissen, die Erfahrungen und subjektive Theorien schlüssig integrieren. Wahrheit und Gesundheit scheinen in gewisser Weise nahe beieinander zu liegen - wer dem Prinzip folgt, regelmässig Nahrung zu sich zu nehmen, verhält sich "gesund", weil damit ein natürliches menschliches Bedürfnis berücksichtigt wird. Die Entstehung "kranker" Einstellungen müsste also auf logische Widersprüche, auf problematische oder dysfunktionale Denkprozesse zurückzuführen sein. Das ist kein neuer Gedanke - in kognitiven Therapieansätzen sind typische Denkfehler im Zusammenhang mit Depressionen bereits ausgearbeitet worden. Methoden, die innere Widersprüche aufdecken können, sind also eine praktische Hilfe, die subjektiven Denkmuster abzuklopfen und vernünftig zu organisieren. Vernunft im Dienste der Gesundheit führt dann zu einer Lebensphilosophie, die sich der Suche nach Wahrheit verpflichtet und immer wieder neu Erfahrungen, Erkenntnisse und Beobachtungen integriert. Abzuschliessen ist dieser Prozess nicht - ein Ende der Wissenschaft ist nicht abzusehen. Weder im akademischen Bereich noch im nur scheinbar unwissenschaftlichen Alltag der "ganz normalen Menschen". Widersprüchlichkeit als existenzielles Phänomen abzuschaffen wird uns nicht gelingen - es bleibt die Aufgabe und Notwendigkeit, mit Widersprüchen in uns selbst, im Miteinander und in der Gesellschaft leben zu lernen. Ab und zu wird es recht angenehm sein, hier und da den einen oder anderen Widerspruch zu beseitigen - und sei es auch nur durch Toleranz, durch die Einsicht, dass man viele Dinge eben aus verschiedenen Perspektiven betrachten kann.

von Methusalem veröffentlicht in: Lebenskunst Community: Wellness und Gesundheit
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Dienstag, 18. märz 2008

Das Fragen findet kein Ende - und keine universellen Antworten. Was Lebensgestaltung bedeuten kann in einer komplizierten Welt... es ist immer eine Frage nach dem Möglichen. Der Raum des Möglichen - das sind im Grunde mehrere Räume, die durch die Rollen bestimmt werden, die wir einnehmen, "spielen", übernehmen, oder auch: die uns übergestülpt werden. 
Ob es nun um "work-life-balance" geht, der vermittelnden Balance zwischen beruflichen und privaten Rollen, um die Frage, welche Lebensumstände als gegeben akzeptiert und welche verändert werden sollten - immer gibt es einen Raum des Möglichen. Wände. Türen. Fenster vielleicht. Das Erlebnis von Enge vielleicht oder auch zu viel Raum. Das Bedürfnis ab und an, gegen die Wand zu rennen oder die Erfahrung, dass die Tür klemmt, wenn der Raum so unangenehm ist, dass ein Verlassen erstrebenswerter erscheint als das blosse Aushalten von dem, was ist. Lebensgestaltung - vielleicht ist es die Fähigkeit, sich irgendwie einzurichten in den Räumen, die verfügbar sind. Hier ein Blümchen, dort Gardinen, an die Wand ein Bild. 
Spannend schließlich sind die Türen, die sich auftun können, wenn man an ihnen klopft. 
Entscheidungen, die eigenen, die getroffenen und die potentiellen Entscheidungen anderer, Entscheidungen bestimmen das Leben. Auch die Entscheidungen über die Entscheidungsmöglichkeiten anderer - im Sich-und-Einander-Rollen-Zuschreiben gestaltet sich das Miteinander als Zuweisen, Absprechen und Aushandeln von Frei-Räumen, die auch zu Alpt-Räumen werden können. Schliesslich liegt auch die Erweiterung des Möglichen im Bereich des Möglichen selbst. Ebenso entwickelt sich häufig die natürliche Einengung der Möglichkeiten, die Schwierigkeit, nicht beliebig oft "ganz von vorn" anfangen zu können. Das Mögliche zu erkennen und umso bewusster Entscheidungen zu treffen ist also eine mit zunehmendem Lebensalter dringlicher werdende Entwicklungsaufgabe. 
Die Entscheidungen, die ich heute treffe, entscheiden mit über die Entscheidungen, die ich morgen (noch oder überhaupt erst) treffen kann. Und stets wirken auch andere mit ihren getroffenen und noch zu treffenden Entscheidungen mit. Sich um gute Entscheidungen zu bemühen ist also sicher eine gute Entscheidung... da lohnt sich das Innehalten in einer Welt flüchtiger Oberflächlichkeit.

von Methusalem veröffentlicht in: Lebenskunst Community: Wellness und Gesundheit
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