Stunden hat es mal wieder gedauert, bis das Betriebssystem neu installiert war. Prinzipiell ist das ja so eine Idee, wenn man das mit Menschen auch machen könnte - mal ein neues Betriebssystem installieren... immerhin scheint die Technik immer menschlicher zu werden, wie kommt's, von wem sind die Dinger denn schließlich gebastelt worden? Immer menschlicher, ja, das heißt, immer schwerer zu durchschauen, immer komplizierter und vor allem: immer wieder auch mal eigenwillig.
Das mag ja daran liegen, dass sich Materie nun einmal nicht mit unbegrenzter Haltbarkeit produzieren lässt. Ein kleiner Kratzer hier, ein kleiner Kratzer da... und schon gehen Stunden drauf, bis die Installations-CD sich endlich gnädig dazu herablässt, das Insgesamt der nötigen Dateien auf den Rechner zu basteln. Bis es soweit ist, stürzt der Rechner erstmal ab. Und ab. Und ab. Und nochmal ab. Der Kampf also mit der Technik, ein Tauziehen des Willens, die Frage, wer am längeren Hebel sitzt.... Machtkämpfe beinahe, wie menschlich das Ganze doch ist.
Ein Abbild der Zwischenmenschlichkeit, aber auch der Dynamik des menschlichen Organismus. Die einzelnen Systeme brauchen einander und wehe, eines fällt aus. Kein Programm merkt sich alles, so wie Einstein, der es nicht für nötig hielt, sich zu merken, wie gross die Schallgeschwindigkeit ist. Wozu auch? Warum also sollte er seine grauen Zellen mit Infos belasten, die man in jedem Lexikon nachlesen kann? Programme machen es also auch so (Nachahmer, Hinterherläufer...) und benutzen Bibliotheken, DLLs genannt. Aber die ganz faulen, das sind im Grunde die Geräte.... ohne einen Treiber geht gar nix. So originalgetreu dem menschlichen Körper nachempfunden, der sich gelegentlich ja auch gegen jede Anstrengung wehrt... und es muss natürlich der richtiger Treiber, oder die richtige Treiberin sein, sonst bewegt sich gar nix.
Das Dateisystem: eine gewisse Neigung zur Adipositas lässt sich nicht leugnen, die Programme werden immer dicker, gerade weil sie up-to-date sein wollen. Und je mehr sie upgedatet wird, die Festplatte, umso schwerfälliger quält sie sich durch Bits und Bytes und kommt bei dem vielen Zeugs immer mehr durcheinander. Früher konnte man sie noch erkennen... die einzelnen Segmente, die beim Defragmentieren hin und her bewegt werden.... heute sind man nur noch Streifen. Wie im richtigen Leben: die Unordnung ergibt sich von selbst. Und ebenfalls wie im richtigen Leben kommen sich die Ordnung schaffenden Kräfte gelegentlich in die Quere. Da gibt es die Saubermänner, Cleaner, so wie Leon der Profi oder wie Mütter, die das wieder aufräumen dürfen, was Kinder "nur mal so kurz" temporär irgendwo deponiert haben. Das Chaos, das sind die Fragmente, die verstreut irgendwo herumliegen... logisch, je mehr Bestandteile, um so länger sind die Suchzeiten. Neudeutsch müsste also der Impuls zum Aufräumen also als Defragmentierungsaktion definiert werden und die Übertragbarkeit liegt auf der Hand. Irgendwie geht es immer wieder darum, zusammenzusammeln, was zusammengehört... so wie das deutsche Volk, das ja noch damit beschäftigt ist, Mauern zu überwinden... Schlimme Krankheiten kann man sich einhandeln, wie wahr, vor allem, wenn man sich in der Öffentlichkeit zeigt, sich irgendwo herumtreibt und einen Virus dabei einfängt. Wo kommen wir da hin, wenn sich die dummen Dinger einfach so fortpflanzen! Da muss dann schon mal ein Programm unter Quarantäne gestellt werden, ab und zu wird eine befallene Datei auch einfach ausgelöscht (wie brutal!), und muss dann ersetzt werden. Im Grunde kein Problem, Dateien gibt es ja genug, aber es muss eben auch die richtige sein. Selbst die Volkszählung ist an der Technik nicht vorbeigegangen, oder umgekehrt, sie hatte ja auch mehr als 20 Jahre Zeit dafür... alles muss registriert werden. Die Registry - die hat bestimmt ein Deutscher erfunden. Und der Papierkorb... na egal. Probleme gibt es, wenn irgendwo etwas nicht mehr zu finden ist, weil der Registrierungseintrag fehlt - wie im richtigen Leben also, alles muss seine Ordnung haben. Ohne Eintrag läuft nix.
So, genug gelabert. Ich logge mich jetzt ein und wenn dieser Artikel erscheint, dann weiss ich: es kann weitergehen im Blog.
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