Donnerstag, 12. juni 2008

Die traditionellen Geschlechtsrollen sind zwar ins Wanken geraten und viele Dinge haben sich verändert - Abhängigkeit in Beziehungen gibt es aber immer noch und es scheint ein eher weibliches Phänomen zu sein. Grund genug also, dem Thema nachzugehen, zu fragen, was Abhängigkeit in Beziehungen ist, worin sie sich zeigt und welche Konsequenzen sich daraus ergeben. Mit Abhängigkeit ist hier nicht der wechselseitige Bezug gemeint, sondern zunächst die einseitige Abhängigkeit, bei der sich eine Person von einer anderen oft in mehrfacher Absicht abhängig macht. Es hat ja auch etwas bequemes an sich, nicht selbst denken zu müssen, Entscheidungen anderen zu überlassen, einfach dem zu folgen, was andere vorgeben. Abhängige Beziehungsgestaltung tritt nicht nur in Paarbeziehungen auf, sie kann sich auch auf Gruppen beziehen - oder auf die eigenen Eltern, deren Erwartungen jemand oft mehr verzweifelt als erfolgreich nachzukommen sucht.

Wenn Abhängigkeit in Beziehungen zum Thema wird, liegt schnell die Schlussfolgerung nahe, dass eine Trennung das Beste sei - zunächst aber geht es einfach um die Klärung der Beziehungsmuster, um die Bearbeitung von Beziehungseinschränkungen und Beziehungsstörungen. Entscheidungen sind dabei ein guter Ansatzpunkt, um kritisch zu überprüfen, wie es denn nun um eine konkrete Beziehung bestellt ist. Dort, wo eine eigenständige Entscheidung kaum möglich ist, haben wir einen klaren Hinweis auf abhängige Muster - und die Alternative ist dann eben, zunächst einmal nach den Gründen zu fragen, warum das so ist. Die Grundlage liegt meist in der Ursprungsfamilie: Eltern, die keine eigenständigen Entscheidungen zulassen, von ihren Kindern ausnahmslos erwarten, dass sie das tun, was die Eltern für richtig halten, fördern damit auch die abhängige Beziehungsgestaltung im späteren Lebensverlauf. Was dabei herauskommt, sind unselbständige Menschen, die sich irgendwo "anhängen", möglichst wenig eigene Meinungen entwickeln und vor allem eines lernen: die eigenen Bedürfnisse zurückzustellen, sich soweit anzupassen, dass die eigenen Interessen nicht mehr von Bedeutung sind. Abhängige Muster aufzulösen ist schwierig - denn dahinter zeigt sich bald die Angst vor dem Alleinsein, die Angst, gar nichts mehr zu bekommen, auf Unterstützung verzichten zu müssen, die einfach notwendig erscheint. Realistisch also ist das Bemühen, sich langsam aus den Prozessen abhängiger Beziehungsgestaltung herauszuarbeiten. Und das beginnt zunächst bei der Klärung der eigenen Wünsche, Interessen und Bedürfnisse. Typische Denkmuster abhängiger Beziehungsgestaltung sind Schemata wie "ich bin hilflos", "ich kann nicht allein sein", "ich kann keine eigenen Entscheidungen treffen" - die Schwierigkeit, allein zu sein, ist dabei ein Kernproblem. Und dabei möchte ich es zunächst auch schon belassen und eine Frage "in die Runde" werfen: ist die Alternative zur abhängigen Beziehungsgestaltung wirklich das Alleinsein?

von Methusalem veröffentlicht in: Beziehungsfähigkeit Community: Wellness und Gesundheit
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Montag, 4. februar 2008

Miteinander sprechen ist immer auch Sprechen über sich und einander. In unserer Sprache ist der Begriff "Miteinander Schreiben" zwar ungebräuchlich, in Anbetracht der Möglichkeiten, sich über E-Mail oder in einem Internetforum auszutauschen, aber durchaus angemessen. Dabei sind Unterschiede zu beachten, die im Vergleich mündlicher und schriftlicher Kommunikation zu Besonderheiten, Vorteilen und Nachteilen der jeweiligen Kommunikationsform führen.

Im schriftlichen Kontakt fehlen die paraverbalen Aspekte der Stimme. Klangfarbe, Betonung, Lautstärke und andere sprecherische Merkmale sind als Ausdrucks- und Nuancierungsaspekte immer auch Möglichkeiten, über den reinen Wortlaut hinaus die innere Befindlichkeit zum Ausdruck zu bringen. Entsprechend fehlen bei rein schriftlicher Kommunikation die Höreindrücke der paraverbalen Aspekte. Mimik und Gestik fehlen in der schriftlichen Kommunikation ebenfalls - der Einsatz von Grafiken und Emoticons kann allerdings als "symbolischer Ersatz" ergänzende Informationen vermitteln. Das Bemühen, die einzelnen Teilfertigkeiten und Teilfähigkeiten darzustellen, die zum Konstrukt Beziehungsfähigkeit gehören, beginnt mit der Fähigkeit, Erleben zur Sprache zu bringen. So betrachtet ist Beziehungsfähigkeit elementar abhängig von sprachlicher Kompetenz - wer sich nur eingeschränkt ausdrücken, die eigenen Gedanken und das eigene Erleben nur eingeschränkt zum Ausdruck bringen kann, erfährt auch Einschränkungen in der Gestaltungsmöglichkeit sozialer Beziehungen. "Sich mitteilen können" setzt neben der sprachlichen Kompetenz aber auch die Selbst-Kenntnis voraus. Hierzu ein bedenkenswertes Zitat aus dem Thread im Denkforum. 
"Wir kennen uns selbst nicht, weil wir von Geburt an zu hören kriegen, wie wir sein sollen, was wir lernen müssen, was von uns erwartet wird. Wir vertrauen uns selbst nicht, weil unsere Gefühle nicht mit dem was wir "sollen" übereinstimmen, also zieht ein Kind den Schluss, die Gefühle müssen falsch sein." (L., 9.12.07).
Was hier zum Ausdruck gebracht wird, ist die mögliche kommunikative Verzerrung durch Effekte sozialer Erwünschtheit - Selbstdarstellung, die sich sehr stark an sozialen Erwartungen orientiert und der eigenen Selbstwahrnehmung misstraut, ermöglicht keine authentische Mitteilung des inneren Erlebens. Beziehungsfähigkeit setzt damit die Möglichkeit voraus, sich selbst auch dann mitzuteilen, wenn die eigenen Aussagen, das eigene Erleben bzw. die je eigenen Absichten den sozialen Erwartungen nicht oder nicht vollständig entsprechen.

von Methusalem veröffentlicht in: Beziehungsfähigkeit Community: Gesundheit
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Mittwoch, 9. januar 2008
Umfrage: Was ist das Schwierigste in Beziehungen? 



Leute kennenlernen 0% 
Sich verständigen 14,29% 
Gemeinsamkeiten entwickeln 0% 
Das (alltägliche) Miteinander gestalten 14,29% 
Konflikte bewältigen 42,86% 
Sich in der Beziehung entwickeln und entfalten 28,57% 
Sich aus einer Beziehung lösen 0% 

Bei der bisher recht geringen Zahl der Forumsteilnehmer/innen, die sich an der Umfrage beteiligt haben, können die Ergebnisse natürlich keinesfalls als repräsentativ gelten. Sind Konflikte das grösste Problem in Beziehungen, gefolgt vom Anliegen, sich in der Beziehung zu entwickeln und zu entfalten?
Werden Beziehungen also besser und entwickelt sich die Beziehungsfähigkeit, wenn sich die Konfliktfähigkeit der Beteiligten entwickelt?

von Methusalem veröffentlicht in: Beziehungsfähigkeit
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Zitat von philosophenlexikon.de

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