Die traditionellen Geschlechtsrollen sind zwar ins Wanken geraten und viele Dinge haben sich verändert - Abhängigkeit in Beziehungen gibt es aber immer noch und es scheint ein eher weibliches Phänomen zu sein. Grund genug also, dem Thema nachzugehen, zu fragen, was Abhängigkeit in Beziehungen ist, worin sie sich zeigt und welche Konsequenzen sich daraus ergeben. Mit Abhängigkeit ist hier nicht der wechselseitige Bezug gemeint, sondern zunächst die einseitige Abhängigkeit, bei der sich eine Person von einer anderen oft in mehrfacher Absicht abhängig macht. Es hat ja auch etwas bequemes an sich, nicht selbst denken zu müssen, Entscheidungen anderen zu überlassen, einfach dem zu folgen, was andere vorgeben. Abhängige Beziehungsgestaltung tritt nicht nur in Paarbeziehungen auf, sie kann sich auch auf Gruppen beziehen - oder auf die eigenen Eltern, deren Erwartungen jemand oft mehr verzweifelt als erfolgreich nachzukommen sucht.
Wenn Abhängigkeit in Beziehungen zum Thema wird, liegt schnell die Schlussfolgerung nahe, dass eine Trennung das Beste sei - zunächst aber geht es einfach um die Klärung der Beziehungsmuster, um die Bearbeitung von Beziehungseinschränkungen und Beziehungsstörungen. Entscheidungen sind dabei ein guter Ansatzpunkt, um kritisch zu überprüfen, wie es denn nun um eine konkrete Beziehung bestellt ist. Dort, wo eine eigenständige Entscheidung kaum möglich ist, haben wir einen klaren Hinweis auf abhängige Muster - und die Alternative ist dann eben, zunächst einmal nach den Gründen zu fragen, warum das so ist. Die Grundlage liegt meist in der Ursprungsfamilie: Eltern, die keine eigenständigen Entscheidungen zulassen, von ihren Kindern ausnahmslos erwarten, dass sie das tun, was die Eltern für richtig halten, fördern damit auch die abhängige Beziehungsgestaltung im späteren Lebensverlauf. Was dabei herauskommt, sind unselbständige Menschen, die sich irgendwo "anhängen", möglichst wenig eigene Meinungen entwickeln und vor allem eines lernen: die eigenen Bedürfnisse zurückzustellen, sich soweit anzupassen, dass die eigenen Interessen nicht mehr von Bedeutung sind. Abhängige Muster aufzulösen ist schwierig - denn dahinter zeigt sich bald die Angst vor dem Alleinsein, die Angst, gar nichts mehr zu bekommen, auf Unterstützung verzichten zu müssen, die einfach notwendig erscheint. Realistisch also ist das Bemühen, sich langsam aus den Prozessen abhängiger Beziehungsgestaltung herauszuarbeiten. Und das beginnt zunächst bei der Klärung der eigenen Wünsche, Interessen und Bedürfnisse. Typische Denkmuster abhängiger Beziehungsgestaltung sind Schemata wie "ich bin hilflos", "ich kann nicht allein sein", "ich kann keine eigenen Entscheidungen treffen" - die Schwierigkeit, allein zu sein, ist dabei ein Kernproblem. Und dabei möchte ich es zunächst auch schon belassen und eine Frage "in die Runde" werfen: ist die Alternative zur abhängigen Beziehungsgestaltung wirklich das Alleinsein?
Kommentar hinzufügen Kommentare (0) Trackback erstellen empfehlen







Neueste Kommentare