Mittwoch, 2. juli 2008

Vorläufige Antworten auf eine schwierige Frage: wie entwickeln sich Gruppen vom Gegeneinander zum Miteinander? Zu zweit, zu dritt, in einer kleinen Gruppe, in einer großen Gruppe, in einem Unternehmen, einem sozialen Gemeinwesen, einem Verein, wo auch immer Menschen zusammen kommen, entwickelt sich in der Regel beides: das Gegeneinander und das Miteinander. Gemeinschaft fällt nicht vom Himmel, irgend jemand muss etwas dafür tun. Und wenn es die Einzelnen nicht sind, die dafür Sorge tragen, dann braucht das Zusammenleben integrative Elemente und Figuren, die die Werte des Gemeinsamen leben, vertreten und wachhalten. Eine alte Einsicht, an der wir nicht vorbeikommen, besagt, dass die Menschen zwar in der Lage sind, die Erde mehrfach zu vernichten - aber miteinander in Frieden zu leben, das ist immer noch ein ungelöstes Problem. Elementar betrachtet liegt eben beides im Bereich des Menschlichen und im Bereich des Möglichen. Die Situation der "gemischten Motive" ist eher der Normalfall - sowohl das Kooperative als auch die Konkurrenz sind beinahe allgegenwärtig. Die Frage ist eben, wo der Schwerpunkt liegt, welche Seite letzten Endes das Zusammenleben bestimmt und prägt.

Die Betrachtung des Individuums: dissoziale und prosoziale Einstellungen und Verhaltensmuster


Dissoziale Einstellungen und Verhaltensmuster sind auf individuelle Interessen ausgerichtet, die im Extremfall einfach nur auf Zerstörung angelegt sind - Grundprinzip ist der Eigennutz, der deutlich über den Werten des Zusammenlebens steht. Jeder ist sich selbst der Nächste, kümmert sich nur um sich selbst, die anderen sind Gegner oder Feinde, das Andere ist falsch und böse, muss begrenzt, eingeschränkt oder zerstört werden, wird benutzt und manipuliert, wo immer es auch geht. Diagnostisch gibt es dafür den Begriff der dissozialen Persönlichkeitsstörung, die als schwer behandelbar gilt und in jeder Gemeinschaft einen gravierenden Störfaktor darstellt. Die andere Seite ist das prosoziale Verhalten, die altruistische Einstellung, die vom Prinzip ausgeht, bei Bedarf auch eigene Interessen zugunsten anderer zurückzustellen. Mitgefühl und Fürsorge, Fairness und Verzicht sind Elemente, ohne die eine Gemeinschaft niemals auskommt, wenn sie funktionieren soll. Nüchtern betrachtet ist die Orientierung am Wir-Bewusstsein langfristig die einzig vernünftige, die einzig tragfähige, weil sich die Gemeinschaften praktisch überall auf der Welt längst soweit entwickelt haben, dass kein Mensch mehr wirklich allein leben kann. Diese schlichte Einsicht, dass wir alle aufeinander angewiesen sind, dass die Arbeitsteilung dazu geführt hat, dass sich niemand mehr wirklich umfassend selbst versorgen kann, begründet den Sinn des Gemeinsamen. Gemeinschaft funktioniert nur dort, wo alle verstanden haben, dass das Individuum auf die Gemeinschaft angewiesen ist und von ihr lebt.


Die Betrachtung der Beziehungen: Kooperation und Konkurrenz


Der Spruch, dass Konkurrenz "das Geschäft belebt", gilt nicht nur in der Wirtschaft. Konkurrenz kann Leistung anregen, fördern und steigern, sich mit anderen zu vergleichen ist nun einmal ein menschliches Grundbedürfnis und ist nicht "an sich schlecht". Kritisch wird es allerdings, wenn Konkurrenz zum Kampf wird, der immer mehr mit allen verfügbaren Mitteln ausgetragen wird, wenn es nur um das Rechthabenwollen, Gewinnen und Sich Durchsetzen geht. Der Ausgangspunkt "gemischter Motive" macht aber auch deutlich, dass die kooperativen Ansätze höchst selten ganz verloren gehen - die Frage ist also, welche Seite gestützt und gefördert wird. Überall dort, wo gemeinsame Anliegen und Ziele bewusst werden und wachgehalten werden, lässt sich auch die kooperative Tendenz fördern. Elementar zeigt sich der Unterschiede am Umgang mit Konflikten: von der Durchsetzungsorientierung zur Lösungsorientierung lassen sich Wege finden, Unterschiede nicht als Anlass für die Gestaltung von Kampfbeziehungen zu betrachten, sondern als Aufgabe, die Klärungsprozesse und Formen konstruktiver Auseinandersetzung benötigt. Über das Klären führt der Weg zum Miteinander Streiten, in dem nicht das Rechtbehalten im Vordergrund steht, sondern die Entwicklung von tragfähigen Lösungen.


Die Betrachtung des Systems: Regularien des zwischenmenschlichen Umgangs


Umgangsformen und Konventionen unterliegen dem gesellschaftlichen Wandel und sind kulturell geprägt. Die Frage ist, ob wir Kultur als eine Angelegenheit verstehen, die einfach irgendwie "da" ist oder erkennen, dass unser Verhalten eben auch Kultur prägt: Kultur ist das, was wir daraus machen, in begrenztem Mass lässt sich Kultur eben auch schaffen. Vereinbarungen über die Art und Weise, wie das Miteinander gestaltet werden soll, prägen also einen bewussten Umgang mit kulturellen Hintergründen, die sozialen Wandel nicht nur als passives Geschehen markiert, sondern aufzeigt, wie sich dieser Wandel mitgestalten lässt. Theoretische Überlegungen zur Ethik des Miteinander sind dabei als Hintergrund hilfreich, um bestimmte Aspekte zu benennen. Praktisch wird das Ganze aber erst dort, wo die Erfahrung des Miteinander als positives Erlebnis spürbar wird. Das Miteinander hat überall dort gute Chancen, zur Normalität zu werden, wo es sich bewährt und deutlich wird, dass es gemeinsam eben besser geht.

von Methusalem veröffentlicht in: Querbeet Community: Wellness und Gesundheit
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Samstag, 7. juni 2008

Nix wie weg! Wenn das Runde mal wieder in das Eckige muss, ist für alles andere kein Kopf mehr da. Zumindest bei manchen. Ultimative Tipps für das Überleben der EM brauchen die Fiebernden weniger als nicht nichtfiebernde Wegbegleiter und sonstige Zeitgenossen, die ihr Auto auch dann in die eckige Garage fahren, wenn es nicht wirklich rund ist. Wenigstens die Räder erinnern ja an das Prinzip, ja ohne das Runde dabei käme hier eben auch das Eckige nicht in das Eckige.

Vor allem aber sollten wir uns die Forschungsergebnisse vor Augen halten... die Wissenschaft hat festgestellt, dass man den Fussball, ganz ungewöhnlich für ein doch recht simpel strukturiertes materielles Etwas, tatsächlich auch aus einer psychologischen Perspektive untersuchen kann.

Nicht etwa, weil der Fussball eine Seele hätte oder sowas. Da geht es ja nicht um die Korrelation zwischen Torerfolg und der farblichen Gestaltung des lederhäutigen Corpus, auch nicht um die fussballevolutionsbiologische Frage, ob man ihn den nun der Gattung der Echsen zuordnen soll?

Das stichhaltige Argument, dass man aus einem Fussball nicht so gut eine Handtasche machen kann, was ihn denn nun wirklich eklatant von einem Krokodil unterscheidet, ist in der Forschung noch umstritten. Aaaaber... die Prognostizierbarkeit des Torerfolgs, also die relative Wahrscheinlichkeit des Eindringens solcher schwarzweisser Ledermonster in den gegnerischen eckigen Kasten, DIE ist schon eine Untersuchung wert.

Aufgrund der geringen Zahl von Neuronen, welche ein Fussball aufweist (der ist nämlich, wie viele seiner Zuschauer und Beobachter, echt hohl!), brauchen wir als eine andere Instanz und hier - Achtung! - kommt endlich die Psyche ins Spiel, weniger die der Spieler.... sondern jene der Beobachter.

Sachverstand könnte der Prognose dienlich sein, so könnte es uns der Ottonormalverstand nahe legen. Wer etwas von Fussball versteht, sollte besser vorhersagen können, wie es ausgeht.

Falsch gedacht: Ergebnisse aus der WM-Forschung zeigen, dass es diejenigen besser wissen, die weniger wissen. Laien, also Leute, die keine Ahnung haben, können genauer vorhersagen, wie das Spiel ausgehen wird. Ha! Daran liegt es wohl, jene unbekannte Variable, der Faktor X, der bei allen Analysen, statischen Wahrscheinlichkeiten neben der aktuellen Stimmung, Tagesform, psychodynamischen und soziostrukturellen Konstellation der Mannschaft, Zuschauer, Schiedsrichter und sonstigen potentiell unerwünschten Pfeifen im Publikum, nicht zuletzt der physiologischen Interdependenz grummelnder Mägen und emotionalen Befindlichkeiten auf dem komplexen grünen Feld darüber entscheiden, ob das hohle Leder passgenau ins Netz, an die Latte oder eben auch mal komplett daneben rollt, fliegt oder sonstwie kullert.

Man weiss eben nie, wie es ausgeht... Überraschungen sind immer drin. Und so kann man sich zwar ganz neutral wünschen, dass die Besten gewinnen mögen, aber eine Garantie dafür gibt es eben nicht. Vielleicht spiegeln sich darin so manche Strukturen der Gesellschaft, in denen Erfolg sich eben auch bisweilen der Machbarkeit entzieht. Und trotzdem angestrebt wird, weil es eben auch auf anderen Ebenen nicht nur Buhrufe, sondern auch Pokale einzuheimsen gibt. Manchmal lässt sich vielleicht etwas beobachten, Teamgeist etwa, Fairplay oder freundschaftliche Gesten, die Landesgrenzen überwinden und Gemeinschaft stiften über ein merkwürdiges Phänomen, das bei aller Kommerzialität eben auch ein Spiel ist.

Mehr? Da!

von Methusalem veröffentlicht in: Querbeet Community: Wellness und Gesundheit
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Sonntag, 1. juni 2008

"Klimawandel ist wichtig, ganz klar. Aber heute gibt es viel dringendere Probleme, die man verhältnismäßig günstig und schnell lösen kann um vielen Millionen Menschen ein erträgliches Dasein zu ermöglichen und viele weitere Millionen aus der Armutsfalle zu befreien. Im Gegensatz zum Klimawandel zählt für diese Menschen jeder einzelne Tag." (aus dem Forum bei Spiegel online)

Eine Idee, die Zukunft hat: der Kopenhagener Konsens 2008 befasst sich mit den Problemen der Welt und Möglichkeiten, möglichst kostengünstige Lösungen zu finden. Dass dabei das Thema Klimawandel erst relativ weit "unten" erscheint, ist zunächst überraschend. Es gibt aber noch einen anderen Effekt, der sich aus der Betrachtung ergibt. Die Dinge sehen aus einer globalen Perspektive betrachtet ganz anders aus - die Zusammenhänge, in denen wir normalerweise denken, sind sehr begrenzt.

 

Die zehn wichtigsten Herausforderungen, vor denen die Welt steht:

  • 1. Luftverschmutzung
  • 2. Konflikte
  • 3. Krankheiten
  • 4. Bildung
  • 5. Globale Erwärmung
  • 6. Hygiene und Wasser
  • 7. Subventionen und Handelsschranken
  • 8. Mangelernährung und Hunger
  • 9. Terrorismus
  • 10. Frauen und Entwicklung



Die Lösungsvorschläge beziehen sich auf Projekte, für die vorrangig Geld ausgegeben werden sollte - die Forschung und Entwicklung zur CO2-Reduzierung landete dabei seltsamerweise auf Platz 14. Die Probleme sind kompliziert, über die Lösungsansätze kann man unterschiedlicher Meinung sein. Also kann ich nur empfehlen: selber nachlesen!

von Methusalem veröffentlicht in: Querbeet Community: Wellness und Gesundheit
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