Montag, 17. dezember 2007

Die Zukunft ist offen. Dieser Gedanke kann beruhigend und beängstigend zugleich sein. Beruhigend, weil die Zukunft immer die Chance in sich birgt, dass sich die Dinge verändern, dass irgend etwas irgendwie besser wird. Beängstigend, weil es nie sicher ist, was die Zukunft den nun wirklich bringt. Zukunftsperspektiven zu entwickeln bedeutet im Rahmen der Lebensentwurfarbeit immer, das Wünschenswerte unter den Bedingungen möglicher Entwicklungen zu entwerfen.
In einer kompliziert gewordenen Welt scheint es immer schwieriger zu werden, sich zu orientieren und Regeln zu formulieren, an denen man sich orientieren kann. Sozialer Wandel, wissenschaftliche, technische und politische Entwicklungen sind nur als Annäherung vorherzusagen, Prognosen beruhen oft auf der Annahme, dass sich in der Gegenwart abzeichnende Trends fortsetzen. Zukunftsperspektiven zu entwickeln hat damit immer etwas Spekulatives und damit Fragwürdiges.
Dennoch bewegt sich so manches, wenn sich aus Unzufriedenheiten über die eigene Lebenssituation konkrete Ziele entwickeln und das Leben eine Richtung findet - dort, wo im Leben eines Menschen etwas gelungen ist, stand oft am Anfang ein Traum, eine Vision, eine Idee, die sich über Jahre hinweg weiterentwickelt und verdichtet hat. Es ist schade, wenn Träume und Visionen belächelt und verachtet werden, wenn der Bezug zur Realität im Hier und Jetzt als einziger Bezugspunkt gilt. "Lass es bleiben, da wird ja doch nichts draus".
Erfinder sind oft als Spinner ausgelacht worden: einen Pferdewagen ohne Pferde zu bauen, was für ein Blödsinn. Aus elektrischem Strom Licht erzeugen, das kann ja wohl nicht funktionieren.
Hätten sich all dieses "Spinner" aufhalten lassen, gäbe es keine Autos und keine Glühbirnen. Und viele andere Dinge auch nicht. "Keine Chance", "kann nicht funktionieren", "geht nicht" - Tatsache ist, dass manche Ideen schwer zu verwirklichen sind. Tatsache ist, dass sich manche Dinge erst über Jahre, Jahrzehnte, Jahrhunderte entwickelt haben und viele Ideen zunächst untergehen, keine Beachtung finden, bis sie wiederentdeckt und ausgearbeitet werden.
Es gibt so viele Dinge im eigenen Leben, so viele Dinge auf der Welt, die sich entwickeln, verändern, verbessern lassen - die Sinnmöglichkeiten sind so vielfältig, dass ernsthaft Suchende eine Menge entdecken können. Dort, wo sich wirklich etwas bewegt, gibt es immer auch Menschen, die sich für etwas einsetzen - ob es sich dabei "nur" um das eigene Leben handelt oder um grössere Zusammenhänge - geprägt wird die Zukunft am stärksten durch jene, die sich für etwas einsetzen und konsequent daran arbeiten.
Es lohnt sich, die eigenen Träume aufzuschreiben, sie wachzuhalten, darüber nachzudenken, wie das eigene Leben aussehen könnte - und dann der Frage nachzugehen, was sich davon verwirklichen lässt. Zu bedauern sind nicht diejenigen, denen es nicht gelungen ist, alle ihre Träume Wirklichkeit werden zu lassen. Zu bedauern sind jene, die nie geträumt haben.
Die ach so klugen, gebildeten, realistischen und erfahrenen Menschen, die sich neuen Ideen gegenüber schnell verschliessen und mit dem Hinweis auf ihre wie auch immer geartete Überlegenheit neue Ideen schnell beiseite schieben, stehen der Zukunft nur im Weg. Nun - wer es wagt, Neues zu denken, wird sich mit diesen bewahrenden Kräften, die uns vor dem Chaos behüten wollen, auseinandersetzen müssen.
Eine Idee, die wirklich gut ist, wird sich aber früher oder später auch realisieren lassen - es kommt auf einen Versuch an. 
Gibt es in meinem Leben etwas, das ich verändern möchte? 
Gibt es eine Richtung, auf die ich zu leben will? Es ist schade, dass wir in unserer Kultur kein Ritual haben, das der Tradition der Walkabouts entspricht oder darin besteht, auf einen Berg zu wandern und dort nach einer Vision für das eigene Leben zu suchen. Vielleicht ist das Leben deshalb für manche so trist. Haben wir den Mut zum Träumen verloren?

von Methusalem veröffentlicht in: Lebensentwurfarbeit Community: Gesundheit
Kommentar hinzufügen Kommentare (0)    Trackback erstellen empfehlen
Samstag, 15. dezember 2007

Ausgangspunkt der Überlegungen zur Rollengestaltung ist die Vorstellung, dass sich das Leben zum grössten Teil als soziales Leben vollzieht - auch in den Zeiten, in denen wir allein sind, sind wir nicht "rollenlos". Im direkten Kontakt zu anderen Menschen werden die verschiedenen Rollen konkret - sie sind nur begrenzt wählbar und nur in einem bestimmten Rahmen zu gestalten. Noch bevor ein Kind auf die Welt kommt, hat es schon eine soziale Rolle, noch bevor klar ist, ob "es" ein Junge oder ein Mädchen wird, machen sich andere schon Gedanken, entwickeln Wünsche, Erwartungen, Hoffnungen... Die Rolle des Sohnes oder der Tochter ergibt sich mit der Geburt unmittelbar. Auch dann, wenn beide Eltern verstorben sind, wird der Sohn immer der Sohn seiner Eltern sein, die Tochter stets die Tochter ihrer Eltern. Im Laufe des Lebens kommen weitere Rollen hinzu, werden vielfältiger und können miteinander in Konflikte geraten. Versteht man eine Rolle als einen dynamischen Prozess, der durch die Erwartungen anderer nicht vollständig determiniert ist, dann bleiben Möglichkeiten der Rollengestaltung offen - am deutlichsten wird das in Gruppen, in denen Einzelne sehr wohl unterschiedliche Rollen einnehmen können. So vielfältig wie die Gestaltungsmöglichkeiten sind auch die Formen des Leidens an und in Rollen. Der Wunsch, eine bestimmte Rolle zu übernehmen, mag unerfüllt bleiben, die jeweils zugewiesene Rolle nicht zufriedenstellend, die Erwartungen an eine bestimmte Rolle zu hoch oder auch unbefriedigend gering - sich selbst auszudrücken heisst im allgemeinen: sich in einer Rolle ausdrücken. Ob ich eine Rolle "spiele" oder eine Rolle "bin" - es spielt eine Rolle, welche Rolle ich spiele.

von Methusalem veröffentlicht in: Lebensentwurfarbeit
Kommentar hinzufügen Kommentare (0)    Trackback erstellen empfehlen
Donnerstag, 13. dezember 2007


Jeder Lebensentwurf, der sich nicht an der Realität orientiert, ist zum Scheitern verurteilt.

Die Realität bietet für jeden jeweils konkrete, aber begrenzte Möglichkeiten. Die Beschränkung auf das real Fassbare entzieht dem Gedanken entwerfender Lebensgestaltung dabei den Boden - erst ein erweitertes Verständnis der Realität, in dem das Mögliche und Vorstellbare daraufhin überprüft wird, ob es wünschenswert, erstrebenswert ist, gibt dem Lebensentwurf Richtung und Inhalt.

Werte und Ideale als Ausgangspunkt zu wählen, wirft die Frage nach ihrer Verwirklichung in konkreten Lebenssituationen auf. Die Realität als Ausgangspunkt zu wählen, orientiert das Handeln an erkennbaren Ansatzpunkten für Entwicklungen, die wünschenswert erscheinen.

Zu den grössten Irrtümern des Alltagslebens gehört die Vorstellung, die eigene Wahrnehmung sei "die Realität": "wenn ich das so sehe, dann ist das auch so". Dann gibt es nur zwei Aufassungen: "meine" und "die Falsche". Noch brillianter ist der Spruch: "meine Meinung steht fest, bitte verwirren sie mich nicht mit Tatsachen". Damit wird jeder Auseinandersetzung mit der Realität, den ihr wohnenden Möglichkeiten und wünschenswerten Entwicklungen die Grundlage entzogen. Entwerfendes Denken scheitert dann an mangelnder Gesprächsbereitschaft - und so lassen sich jene Aspekte des Lebensentwurfs, die gemeinsames Handeln erfordern, nur in einem sozialen Kontext verwirklichen, der sich Ideen gegenüber offen zeigt und sich nicht mit dem Vorhandenen begnügt, so bewährt es auch erscheinen mag.

Realität ist: das Auge ist keine Kamera, das Ohr kein Mikrofon, die Sinne sind nicht passiv, nehmen nicht einfach irgendetwas auf - das Gehirn wählt aus und bildet ein Perzept, ein dynamisches Abbild. Jeder Mensch hat seine eigene Wahrnehmung - und damit auch stets ein subjektiv geprägtes Bild der Realität.

Lebensgestaltung wird erst dann sinnvoll, wenn eigene Werte und Ideale immer wieder mit der Realität konfrontiert werden, sondern auch die eigene Wahrnehmung als begrenzt, von Täuschungen beeinträchtigt und damit als potentiell korrekturbedürftig erkannt und anerkannt wird. Die kritische Prüfung der eigenen Vorstellungen durch Beoachtung und intersubjektive Verständigung ist dann eine logische Konsequenz - und führt dazu, immer wieder zu überprüfen, ob die Lebenssituation, in die hinein ich mein Leben entwerfe, auch wirklich so ist, wie sie mir erscheint.

Nicht alles, was möglich ist, ist auch wahrscheinlich, aber auch das Unwahrscheinliche ist möglich - und selbst die Erweiterung der Möglichkeiten liegt im Bereich des Möglichen selbst.

Grundlegend für die Lebensgestaltung sollte deshalb sein, Möglichkeiten offen zu halten, nicht zu früh Türen zu verschliessen, die später nur mit grossem Aufwand (wenn überhaupt) zu öffnen sind. 

Schulverweigerung und Drogenkonsum sind Beispiele für drastische Einschränkungen der Möglichkeiten - berufliche Perspektiven werden reduziert und das eigene Potential zerstört. Dass es solche Phänomene gibt, zeigt die begrenzte Fähigkeit der Erwachsenen, Realitätsbezug zu fördern und Perspektiven zu schaffen, wo Erfahrung noch fehlt - gleichzeitig die Notwendigkeit langfristigen Denkens für eine realitätsbezogene Lebensgestaltung, die Entwicklung und Wachstum im Auge behält.

Erfahrung lässt sich oft sehr schwer "transportieren", vor allem dann, wenn junge Menschen sich "nichts sagen lassen wollen". Die Realität aber ist eine Autorität, die sich zwar verzerren, verkürzen und ausblenden lässt. Sie lässt sich auch verändern. Ignorieren aber lässt sie sich auf Dauer nicht.

von Methusalem veröffentlicht in: Lebensentwurfarbeit
Kommentar hinzufügen Kommentare (0)    Trackback erstellen empfehlen

Werbung

Zitat

Zitat von philosophenlexikon.de

Über diesen Blog

Kalender

Juli 2008
M D M D F S S
  1 2 3 4 5 6
7 8 9 10 11 12 13
14 15 16 17 18 19 20
21 22 23 24 25 26 27
28 29 30 31      
<< < > >>

Tag cloud: Links

Blogverzeichnisse

 Pagerank  Google® PageRank®
 Feedleser  
bloggerei.de - deutsches BlogverzeichnisBlog Top Liste - by TopBlogs.de
blog-o-rama.deDeutsches Blog Verzeichnis 
Bloggeramt.de Blogverzeichnis
Blog ButtonBlogkatalog 
Blog-Webkatalog

Diese Seite zu Favoriten.de hinzufügen      Add to Google
Add to Technorati Favorites        Diese Seite zu Mister Wong hinzufügen 
Handy mit Zugabe
Statistiken
Blog : Gesellschaft sur de.over-blog.com - Kontakt - Nutzungsbedingungen - Werbung - Missbrauch melden