Die Zukunft ist offen. Dieser Gedanke kann beruhigend und beängstigend zugleich sein. Beruhigend, weil die Zukunft immer die Chance in sich birgt, dass sich die Dinge verändern,
dass irgend etwas irgendwie besser wird. Beängstigend, weil es nie sicher ist, was die Zukunft den nun wirklich bringt. Zukunftsperspektiven zu entwickeln bedeutet im Rahmen der
Lebensentwurfarbeit immer, das Wünschenswerte unter den Bedingungen möglicher Entwicklungen zu entwerfen.
In einer kompliziert gewordenen Welt scheint es immer
schwieriger zu werden, sich zu orientieren und Regeln zu formulieren, an denen man sich orientieren kann. Sozialer Wandel, wissenschaftliche, technische und politische Entwicklungen sind nur als
Annäherung vorherzusagen, Prognosen beruhen oft auf der Annahme, dass sich in der Gegenwart abzeichnende Trends fortsetzen. Zukunftsperspektiven zu entwickeln hat damit immer etwas Spekulatives
und damit Fragwürdiges.
Dennoch bewegt sich so manches, wenn sich aus Unzufriedenheiten über die eigene Lebenssituation konkrete Ziele entwickeln und das Leben eine
Richtung findet - dort, wo im Leben eines Menschen etwas gelungen ist, stand oft am Anfang ein Traum, eine Vision, eine Idee, die sich über Jahre hinweg weiterentwickelt und verdichtet hat. Es
ist schade, wenn Träume und Visionen belächelt und verachtet werden, wenn der Bezug zur Realität im Hier und Jetzt als einziger Bezugspunkt gilt. "Lass es bleiben, da wird ja doch nichts
draus".
Erfinder sind oft als Spinner ausgelacht worden: einen Pferdewagen ohne Pferde zu bauen, was für ein Blödsinn. Aus elektrischem Strom Licht erzeugen, das kann ja
wohl nicht funktionieren.
Hätten sich all dieses "Spinner" aufhalten lassen, gäbe es keine Autos und keine Glühbirnen. Und viele andere Dinge auch nicht. "Keine Chance",
"kann nicht funktionieren", "geht nicht" - Tatsache ist, dass manche Ideen schwer zu verwirklichen sind. Tatsache ist, dass sich manche Dinge erst über Jahre, Jahrzehnte, Jahrhunderte entwickelt
haben und viele Ideen zunächst untergehen, keine Beachtung finden, bis sie wiederentdeckt und ausgearbeitet werden.
Es gibt so viele Dinge im eigenen Leben, so viele
Dinge auf der Welt, die sich entwickeln, verändern, verbessern lassen - die Sinnmöglichkeiten sind so vielfältig, dass ernsthaft Suchende eine Menge entdecken können. Dort, wo sich wirklich etwas
bewegt, gibt es immer auch Menschen, die sich für etwas einsetzen - ob es sich dabei "nur" um das eigene Leben handelt oder um grössere Zusammenhänge - geprägt wird die Zukunft am stärksten durch
jene, die sich für etwas einsetzen und konsequent daran arbeiten.
Es lohnt sich, die eigenen Träume aufzuschreiben, sie wachzuhalten, darüber nachzudenken, wie das eigene
Leben aussehen könnte - und dann der Frage nachzugehen, was sich davon verwirklichen lässt. Zu bedauern sind nicht diejenigen, denen es nicht gelungen ist, alle ihre Träume Wirklichkeit werden zu
lassen. Zu bedauern sind jene, die nie geträumt haben.
Die ach so klugen, gebildeten, realistischen und erfahrenen Menschen, die sich neuen Ideen gegenüber schnell
verschliessen und mit dem Hinweis auf ihre wie auch immer geartete Überlegenheit neue Ideen schnell beiseite schieben, stehen der Zukunft nur im Weg. Nun - wer es wagt, Neues zu denken, wird sich
mit diesen bewahrenden Kräften, die uns vor dem Chaos behüten wollen, auseinandersetzen müssen.
Eine Idee, die wirklich gut ist, wird sich aber früher oder später auch
realisieren lassen - es kommt auf einen Versuch an.
Gibt es in meinem Leben etwas, das ich verändern möchte?
Gibt es eine Richtung, auf die ich zu leben will? Es ist schade, dass wir in unserer Kultur kein Ritual
haben, das der Tradition der Walkabouts entspricht oder darin besteht, auf einen Berg zu wandern und dort nach einer Vision für das eigene Leben zu suchen. Vielleicht ist das Leben deshalb für
manche so trist. Haben wir den Mut zum Träumen verloren?
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