Religion, Vernunft und Frieden: lasst Dogmen sterben, und nicht Menschen

Veröffentlicht auf von Methusalem

So wichtig und ehrenrührig die Bemühungen um Friedensverhandlungen auch sind - sie sind motiviert durch die Vernunft, motiviert durch Menschlichkeit, wohl auch durch politische Interessen.

Die Lehre vom heiligen Krieg dagegen, auch die Vorstellung vom auserwählten Volk Israel, das einen gottgegebenen Anspruch auf ein bestimmtes Land hat - das sind religiöse Vorstellungen, die auf einer ganz anderen Ebene liegen. Sich im Recht fühlen, ein unbedingtes Recht auf Verteidigung haben, auch wenn es noch so viel Menschenleben kostet, die Prioritätensetzung, dass es eben wichtigere Dinge gibt als den Frieden - all das setzt den Bemühungen um Frieden von außen harte Grenzen.

Die Legitimation politischer Gewalt durch die Religion hat eine lange Vorgeschichte - und macht, rational betrachtet, sämtliche Weltreligionen unglaubwürdig, denn alles, was man über den Willen Gottes sagen kann ist - rational betrachtet - nicht mehr als Spekulation. Der Krieg gegen Heiden, gegen Juden, gegen Moslems - reduziert den Menschen auf seinen Glauben und sieht in der anderen Religion das Falsche, Abwegige. Wir sind die Besseren, wir haben den wahren Glauben und die anderen sind im Irrtum, müssen bekehrt oder vernichtet werden. "Du sollst nicht töten" - so steht es im Alten Testament, der gemeinsamen Grundlage des Judentums, des Christentums und des Islam. Getötet aber haben alle - und tun es immer wieder.

 

10.12.1948 Artikel 18 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen
»Jeder Mensch hat Anspruch auf Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit; dieses Recht umfaßt die Freiheit, seine Religion oder seine Überzeugung zu wechseln, sowie die Freiheit, seine Religion oder seine Überzeugung allein oder in Gemeinschaft mit anderen, in der Öffentlichkeit oder privat, durch Lehre, Ausübung, Gottesdienst und Vollziehungen von Riten zu bekunden.«

08.05.1949 Artikel 3 im Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland

»Niemand darf wegen seines Geschlechts, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauung benachteiligt oder bevorzugt werden.«


Frieden in Nahost könnte man sich vorstellen, wenn die Glaubensfreiheit möglich wäre. Wenn es möglich wäre, dass Juden und Moslems sich einfach gegenseitig akzeptieren und leben lassen. Sobald allerdings ein religiös motivierter Selbstmordanschlag als "ungestörte Religionsausübung" betrachtet wird, findet die Toleranz auch bald wieder ein Ende... verständlicherweise.

Die Frage ist, ob sich der Krieg im Gazastreifen, das gesamte Konfliktfeld überhaupt, von außen klären bzw. beenden lässt. Die Frage, ob sich Toleranz und ein friedliches Miteinander mit dem Judentum und dem Islam vereinbaren lassen, können die Gläubigen nur selbst beantworten. Vielleicht ist es dazu nötig, tiefer in den je eigenen Glauben einzudringen, die Rationalität des Anspruchs auf den "Besitz der Wahrheit" kritisch zu hinterfragen - Dogmen sterben zu lassen und nicht Menschen.


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Veröffentlicht in Politik

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Matthias 01/13/2009 14:44

Ja, die Religion ist oftmals leider eine 'kollektive Zwangsneurose'. Ein sehr schönes Blog machst Du da...

Methusalem 01/14/2009 22:56


Danke!