Wie wird Frieden in Nahost möglich?

Veröffentlicht auf von Methusalem

Es ist eine schwere Frage. Zu viele Aspekte spielen eine Rolle, um eine einfache Antwort geben zu können. Und bei allem Respekt vor den Bemühungen aus der Ferne - die Möglichkeiten sind begrenzt.

Eine begrenzte Waffenruhe für 3 Stunden täglich - mehr war bisher nicht zu erreichen. Nachdem heute (8. Januar 2009)  auch diese Vereinbarung nicht eingehalten wurde, hat die UN die Hilfslieferungen für den Gazastreifen gestoppt.

Die Katastrophe findet kein Ende...

7.Januar 2009. Der Spiegel berichtet von Fortschritten in der Friedensdiplomatie  - Vorschläge aus Frankreich und Ägypten werden in Israel in Erwägung gezogen. Gleichzeitig gehen aber die Kämpfe weiter und die vereinbarte Waffenruhe wird nicht konsequent eingehalten.

8.Januar 2009. Deutschland und Frankreich setzen sich für den Frieden in Nahost ein, heißt es in den Meldungen - ob die Bemühungen um Vermittlung und Vereinbarungen dabei erfolgreich sein werden, hängt von vielen Faktoren ab.

In einem Interview mit dem ehemaligen israelischen Botschafter Shimon Stein  werden Standpunkte deutlich, die die Schwierigkeiten des Friedenprozesses beleuchten. "Hamas hat Israel zum Krieg gezwungen" - das heißt, die Hamas ist schuld und Israel konnte nicht anders als einen Krieg zu führen. Was dabei ausgeblendet bleibt, sind die Bedingungen im Gazastreifen, die Folgen der Besatzung, die (so meine These) zur Radikalisierung der Hamas beigetragen haben. Zwei Punkte sind strittig: zum einen die Aussage, dass es keine humanitäre Katastrophe im Gazastreifen gebe (die Blogs aus der Region und die Aussagen von Ärzten und Hilfsorganisationen sagen hier etwas anderes), zum anderen die Behauptung, Israel würde keinen Krieg gegen die Zivilbevölkerung führen. Zivile Opfer gibt es bereits mehr als genug - das lässt sich nicht bestreiten. Der Beschuß auf ein Gebäude der UN, die Information, dass Hamas-Kämpfer inzwischen Zivilkleidung tragen, Frauen und Kinder als Schutzschild benutzen - ein gezielter Kampf gegen die Hamas ist nicht möglich, ohne die Zivilbevölkerung in Mitleidenschaft zu ziehen.

Die Zweistaatenlösung - warum gibt es keinen Staat Palästina? Shimon Stein führt dazu aus, eine solche Lösung würde die Hamas nicht akzeptieren. Wie steht es damit?

Nach der Eingabe des Stichworts "Zweistaatenlösung" gibt Google 31,600 Ergebnisse aus... und einigen bin ich nachgegangen.

am 27. Juni 2006 einigten sich die rivalisierenden Parteien Fatah und Hamas grundsätzlich auf eine Zwei-Staaten-Lösung. Aber daraus wurde nichts. Nach der Entführung des israelischen Soldaten Gilad Schalit riegelt Israel den Gazastreifen ab, zerstört das einzige Elektrizitätswerk im Gazastreifen.

19. Juni 2007: USA und Israel wollen einen Palästinenserstaat, berichtet der Focus. Die Machtübernahme der Hamas im Gazastreifen war zu dieser Zeit bereits erfolgt.

24. Juni 2008: Bettina Marx kommentiert die Nahost-Konferenz in Berlin. Zweifel an der Zwei-Staatenlösung, Zweifel an der Realisierung eines Staates Palästina... 

29. Dezember 2008: Der Wiener Nahostexperte John Bunzl sieht innenpolitische Motive von Ehud Barak und Tzipi Livni als Hintergrund für den Krieg in Gaza - eine Zweistaatenlösung könne man vergessen.

8. Januar 2009. Inzwischen treffen Raketen aus dem Libanon den Norden Israels. Eine Waffenruhe soll es immer noch nur unter besonderen Bedingungen geben. Wie also soll Frieden in Nahost möglich werden? So schrecklich das alles ist, Vorwürfe helfen nicht. Verhärtete Fronten: die Hamas akzeptiert Israel nicht, also muß Israel weg. Israel akzeptiert die Hamas nicht, die Hamas muß weg. Präsident Sarkozy wird als hyperaktiv bezeichnet, weil er sich für Verhandlungen einsetzt - den einzig sinnvollen Weg. Und immer mehr Vorwürfe gegen Israel werden laut.

Krieg entsteht in den Köpfen von Menschen, also muß er auch dort aufhören, wo denn sonst? Frieden wird erst dann möglich, wenn die Perspektive des Durchsetzenwollens aufgegeben wird, wenn eindeutig für den Frieden Stellung bezogen wird. Die Haltung, auf der einen Seite zeitlich begrenzt die weiße Flagge zu hissen, dann aber wieder weiterzuschießen - das bringt keinen Frieden. Wenn beide Seiten unbedingt gewinnen wollen, werden beide Seiten verlieren... und wie es aussieht, wird das Gemetzel noch eine ganze Weile weitergehen.

Kein Wasser, kein Strom, keine Möglichkeit, zu flüchten. Keine Straße, kein Gebäude ist sicher. "Wohin würdest Du gehen?" fragt Eva aus Gaza. Ich habe keine Antwort.

Es gibt keine Worte für das Ausmaß, den Schweregrad einer solchen Traumatisierung.

Frieden wird erst möglich, wenn ganz bestimmte Entscheidungsträger umdenken - und endlich ihren Frieden finden. In sich selbst. Mit der eigenen Geschichte und der Geschichte ihrer Vorfahren. Das ist leichter gesagt als getan - aber irgendwo muss ein Anfang sein. Wer immer nur wartet, dass die andere Seite den Anfang macht, wird vielleicht warten bis in alle Ewigkeit.


 

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