Was ist gesunder Menschenverstand?

Veröffentlicht auf von Methusalem

Technische Probleme und der Versuch einer Lösung... ein Kommentar wurde abgeschnitten, ein Teil fehlt, deshalb folgt hier die vollständige Fassung des Kommentars von Jürgen Zirbik:

GMV ist in Wikipedia wohl etwas "dünn" definiert. Albert der Einstein sieht das auch einseitig und aus der Sicht der 50er Jahre (obwohl er auch bei mir, also in meinem Blog für so manches Zitat herhalten muss). Und das mit der statistischen Mehrheit ist schlichtweg Quatsch - das sagt mir schon mein GMV.
Wenn 50 Millionen Menschen etwas Dummes sagen, bleibt es trotzdem eine Dummheit.Anatole France, 1844 – 1924, französischer Schriftsteller und Literatur-Nobelpreisträger
Ganzheitlich betrachtet definiere ich (ich nehme mir das heraus) GMV als ein Ergebnis, ein Resultat ein Produkt aus Wissen (heutiges Wissen bitte), Erfahrung (damit wird er auch recht persönlich), Intuition, Emotion und vielem mehr. Die Wissenschaft (Gehirnfoschung, Psychologie etc.) hat auch den Sprung weg von Decartes`"ich denke also bin ich" hin bekommenBei GMV liegt die die Betonung n.m.E. auf "gesund". Politik und GMV schließt sich quasi aus. Politiker und GMV - das könnte noch zusammengehen, wenn die Damen und Herren alleine sind - sind ja auch nur Menschen. Krieg und GMV - das geht gar nicht, in keinem Fall. Religion und GMV - na ja. Schon wenn mehrere Menschen auf einem Haufen sind wird es schwierig mit GMV (der Psychologe kennt die anhängigen Phänome), den diese Menschen teilweise zu haben pflegen, wenn Sie alleine sind oder wenn man sich im Zwigespräch mit Ihnen auseinandersetzt.GMV ist ganz einfach und extrem hilfreich. Er ist jedoch recht schwer zu leben und durchzuhalten, denn oft erfordert er Konsequenz, meist unangenehme (wenn du nicht fett werden/bleiben willst, futtere weniger, anderes und bewege dich mehr). Deshalb kommt er auch kaum vor. Nichts desto trotz widme ich mich weiter der Mission GMV. Herzliche Einladung dazu.Jürgen

Hab ich das noch recht in Erinnerung? War das Voltaire, der mal sagte: "bevor du mit mir redest, definiere deine Begriffe"? Wie auch immer, Begriffsdefinitionen dienen der Verständigung, Grund genug also, die Definitionsmerkmale einmal unter die Lupe zu nehmen. Mit den Merkmalen 'heutiges' oder 'aktuelles Wissen', 'Erfahrung', 'Intuition', und 'Emotion' kann ich eine Menge anfangen, das "und vieles mehr" ist für einen Akademiker zunächst einmal unbefriedigend, weil es die Definition ziemlich unscharf werden lässt.

Wenn die Betonung auf "gesund" liegen soll, lassen sich viele Fragen ableiten, die darauf abzielen, herauszufinden, wie Wissen, Erfahrung, Intuition, Emotion und - ja, das DENKEN fehlt mir hier noch, zur Gesundheit beitragen oder ihr auch abträglich sind. "Politik und GMV schließt sich quasi aus" - darüber läßt sich streiten, ich vermute, dass hier so manche und mancher heftig widersprechen wird... als Nicht-Politiker tippe ich auf Konfliktfelder, die sich aus der Spannung zwischen Politik, GMV und Sachverstand ergeben können. Politik mit dem Blick auf das Mehrheitsfähige legt Entscheidungen nahe, denen die Mehrheit zustimmen kann. Der Sachverstand kommt vielleicht zu einem anderen Ergebnis. Und der gesunde Menschenverstand mag wiederum zu einem anderen Ergebnis kommen.

Wenn "Krieg" und "gesunder Menschenverstand" nun "gar nicht" gehen, dann stellt sich die Frage, warum. Wenn Empathie ein Element des gesunden Menschenverstands ist, wenn ich also zur Situation im zum Gazastreifen einfach sage: "das ist ja furchtbar, kann das denn nicht endlich mal aufhören?" - dann steht das im Widerspruch zu einer Politik, die den Israelis ein Recht auf Selbstverteidigung zubilligt und einen Krieg unter bestimmten Voraussetzungen als "gerecht" oder "legitim" ansehen kann. Gehen wir davon aus, dass der gesunde Menschenverstand ein Korrektiv politischer Entscheidungen sein kann (und soll), lässt sich von dort aus auch der Appell an die Menschlichkeit ableiten. Dann finden wir in der Empathie, in der Ethik, die den Begriff des "gerechten Krieges" zu problematisieren vermag, auch eine entscheidende Wurzel für die Bemühungen um eine Politik des Friedens. Religion und gesunder Menschenverstand - "naja"?. Die "Religion der Menschheit", so wie sie sich Auguste Comte vorgestellt hat, würde die beiden Begriffe vielleicht noch annähernd zusammen bringen. Ansonsten... kann man sicher dicke Bücher darüber schreiben, das überlasse ich dann gern den Theologen. Mehrere Menschen auf einem Haufen... Sozialpsychologen kennen das Phänomen des "groupthink" und die Depersonalisation, Soziologen das "going native"... so betrachtet scheint der gesunde Menschenverstand ohne eine gewisse geistige Autonomie nicht auszukommen, zu dem die kritische Distanz gegenüber der "Bezugsgruppe" gehört.

Aus der Vorstellung, der gesunde Menschenverstand sei eine Ansammlung von Vorurteilen, wird dann eher die kritische Auseinandersetzung mit Normen, Stereotypen und Vorurteilen. Dann wird der gesunde Menschenverstand zu dem, was er nach Einsteins Spruch eben gerade nicht ist - das kritische Bewusstsein der je eigenen kulturellen Prägung.

s. dazu auch: Wie gesund ist der "gesunde Menschenverstand"?

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Veröffentlicht in Lebenskunst

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Jürgen 02/04/2009 20:00

Spät entdeckt.Wow! Ich mach es kurz. genau.GMV sagt: gerechter Krieg - njet.GMV sagt auch: Menschen in Gruppen, besonders in Bezugsgruppen lassen GMV gerne vermissen - warum wissen die Psychologen und die Soziologen - mir sagt es die Erfahrung.GMV sagt noch: Kritisches Bewußtsein - da (ja).Jürgen