Effizienz: aufgebohrt (7)

Veröffentlicht auf von Methusalem


Optimistisch sein – das sagt sich leicht. Finanzkrise, Krieg in Nahost, Streß am Arbeitsplatz, Beziehungskrisen, Arbeitslosigkeit, persönliche Probleme – es gibt immer eine Menge Gründe, pessimistisch zu sein. Nüchtern betrachtet ist die pessimistische Variante, die davon ausgeht, daß alles ganz schlimm wird, sich nichts ändern wird, es sei denn zum Schlechteren hin, vor allem aber: das sich bei all dem Furchtbaren, das sich noch entwickeln wird, sowieso nichts beeinflussen läßt – der sicherste Weg, all die Dinge, die sich real eben doch beeinflussen lassen, eben nicht anzupacken. Optimismus hat also eine pragmatische Seite, braucht aber auch die Verankerung in der Realität. Überlegungen zur Zukunftsgestaltung, die von naiven Gedanken wie „das wird schon irgendwie“ ausgehen, können leicht ins Leere laufen, wenn die Erfahrung, daß manches eben nicht von allein „irgendwie wird“ dem Optimismus die Glaubwürdigkeit entziehen. Realistisch und vernünftig wird Optimismus erst dort, wo das Wünschenswerte möglich, vor allem aber, wo es durch die eigene Aktivität möglich und erreichbar ist. Wirtschaftliche und politische Entwicklungen sind von so vielen Faktoren abhängig, daß Prognosen stets nur als Wahrscheinlichkeitsaussagen möglich sind. Welche Entscheidungen von wem getroffen werden, welche davon wirklich „richtig“ sind, das läßt sich oft schwer abschätzen.

Träume, Phantasien und Visionen werden oft als unrealistisch und „weltfremd“ abgetan. Ich glaube, daß in den meisten Bereichen der Wirtschaft und auch im Dienstleistungssektor sehr viel Potential verloren geht, weil Sprüche wie „so haben wir das ja noch nie gemacht“ oder „das wird nicht funktionieren“, „wir haben ja so viel Erfahrung“ usw. als Killerphrasen wirken und so manche entwicklungsfähige Idee im Keim ersticken. Realistisch betrachtet wird sich also in manchen Bereichen schwer etwas beeinflussen lassen – dort nämlich, wo wichtige Entscheidungen von anderen getroffen werden, oder die Rücksicht auf die Souveränität eines Staates politische Einflußnahme begrenzt. Im eigenen Leben jedoch bieten sich Entscheidungsräume an, die Veränderungen, neue Schwerpunktsetzungen und Gestaltungsmöglichkeiten im Bereich des Möglichen verankern. Die Frage nach dem, was sein kann, was sich direkt beeinflussen läßt, liefert schließlich die reale Grundlage einer pragmatisch optimistischen Haltung.

Manager, die nach dem fragen, was geschehen muß, damit das Unternehmen überleben kann, werden mehr erreichen als die Pessimisten, die den Kopf in den Sand stecken. Frieden im Nahen Osten wird nicht durch eine endlose Kette der Gewalt erreichbar sein, sondern nur durch einen Abbau der Feindbilder, durch einen Prozeß, in dem die feindlichen Parteien sich gegenseitig die Existenzberechtigung zugestehen, im Kontakt Lösungen suchen, Vereinbarungen treffen, umsetzen und einhalten. Zukunft gestalten ist: nach Möglichkeiten fragen, wünschenswerte Entwicklungen in den Blick bekommen, Klären, wie sich Streß am Arbeitsplatz reduzieren, mehr Balance ins eigene Leben bringen, Beziehungen gestalten lassen usw. Zukunft gestalten ist: nach Lösungen suchen. Worum es auch immer gehen mag, wie auch immer die persönlichen Vorsätze fürs neue Jahr lauten – von selbst wird sich bestenfalls durch Zufall irgend etwas in die gewünschte Richtung bewegen. Sehr wahrscheinlich wird es nötig sein, etwas dafür zu tun, damit Wünsche in Erfüllung gehen können. Effizienz also bleibt nicht beim Träumen stehen – sondern zeigt sich konkret im Handeln.

(zur Fortsetzung)

s. auch Hoffnung und Depression

Gesunde Einstellungen – das Kohärenzgefühl
Hoffnung oder: die Vernunft des Unvernünftigen

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Martina 01/02/2009 11:01

Hi, erst einmal frohes Neues Jahr (-:-------Also ich versuche die Dinge immer optimistisch zu betrachten. Alles andere führt doch nur zu Frust, und wer braucht das schon?In diesem sinne: vile Glück für 2009