Warum bleibt Obama zuhause?

Veröffentlicht auf von Methusalem

Obama wird also nicht am Finanzgipfel teilnehmen... und hat seine Gründe dafür.

Der SPIEGEL schreibt dazu, er würde damit deutlich machen, dass er nicht für die Finanzkrise verantwortlich ist. Die Frage, die mir dabei durch den Kopf ging, hat eine längere Tradition. Handlungstheorien gibt es, die Soziologen wissen darüber Bescheid. Aber warum gibt es keine Theorie des Unterlassens? Falsch gedacht, hat die Recherche ergeben: es gibt eine. In der Schweiz hat Prof. Dr. Hans Geser eine solche Theorie formuliert, und das bereits 1986.

Man kann sich dabei auf das Problemfeld "unterlassene Hilfeleistung" beziehen, das Unterlassen auch betrachten als "Sich-aus-der-Verantwortung-Stehlen". Damit ist aber die volle Bandbreite des Unterlassens noch lange nicht erfasst. 
Warum also bleibt der designierte Präsident dem Finanzgipfel fern? Ist das nur ein Seitenhieb auf den amtierenden Präsidenten oder steckt mehr dahinter? Nach dem sehr aktiven Einstieg in die Rolle des Präsidenten spricht viel dafür, dass ihn starke Kräfte dorthin ziehen, wäre es doch eine gute Gelegenheit gewesen, eine Menge Leute kennen zu lernen, Kontakte zu knüpfen, zu diskutieren... es hätte aber auch unangenehme Situationen geben können, bei allen Vorteilen hätten sich vielleicht auch gravierende Nachteile entwickeln können. Spekulationen, gewiss, aber sie verdeutlichen die Rationalität des Unterlassens - und zeigen, dass ein tatkräftiger Mensch sich bisweilen zu zügeln weiß, wenn es darum geht, bestimmte Dinge zu vermeiden.

"Heikle außenpolitische Situationen", so heißt es im SPIEGEL, sollen vermieden werden. Die Logik des Unterlassens ergibt sich hier (so meine Interpretation) aus dem Rollenbewusstsein eines zwar gewählten, aber eben noch nicht amtierenden Präsidenten. Erkennbar ist darin aber noch mehr: der bewusste Umgang mit Verantwortung, die Fähigkeit sich abzugrenzen und nicht für das den Kopf hin zu halten, was andere getan oder eben nicht getan haben. Da werden wohl einige Leute enttäuscht sein... oder verstehen, dass da einer ist, der eine Ecke weiter denkt...


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Veröffentlicht in Politik

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