Männerwelttag

Veröffentlicht auf von Methusalem

Der Welttag des Mannes wurde von besorgten Männerforschern, den Andrologen, an der Uni in Wien erfunden. Zum ersten Mal riefen die Gorbatschow Foundation, die Stadt Wien, UN Vienna und Medical Connection am 3. November 2000 den „Welttag des Mannes" aus. Beim Stöbern im Internet... war nicht viel Interessantes zu finden. In Erinnerungen kramen also... als Zivildienstleistender in einem Pflegeheim, das waren noch Zeiten (vor mehr als 25 Jahren), Männer waren Mangelware, wurden also gleichmäßig auf allen Stationen verteilt (auf jeder Station ein Zivi, das war doch gerecht, oder?). Und dann ein denkwürdiger Tag, den ich nie vergessen werde... einen männlichen Stationsleiter zu haben, das war ja schon eine Ausnahme, aber dann, eines Tages... zwei Altenpflegeschüler auf Station, auch eine Rarität, und damit waren wir an einem seltenen Tag zu viert. Und was geschah? Alles ging viel schneller, es war so ruhig wie nie, kurze Blicke genügten, wir waren schneller fertig als sonst. Denkwürdig also das "Schweigen der Männer"... sicher auch zu beobachten am Weltmännertag. Das ist etwas, was ich an Männern sehr schätze - die immer wieder zu erlebende pragmatische Haltung. Nicht viel drumherum labern, kurz und sachlich, pragmatisch und effizient. Das hat was.

Noch ein paar Jahre zurück. Schulzeit in der "Heiligen Brüdergemeinde", ein Jungengymnasium also, nur der "g"-Zug, der Altsprachliche, da gab es auch Mädchen. Ansonsten war der weibliche Anteil der Schülerinnen (also wirklich!) in einem Mädchengymnasium untergebracht. Aber eben nicht für Immer und Ewig... eines Tages wurde es aufgelöst. Und der wichtigste Effekt... der Notendurchschnitt im Fach Mathematik rutschte um zwei ganze Noten nach unten. Plötzlich wurde philosophiert, warum denn dieses und jenes so und so sei... bisher hatten wir eben einfach akzeptiert, dass ein Axiom ein Axiom ist, Null Komma Periode Neun eben mit Eins gleichzusetzen sei und man durch Null nicht dividieren darf. Wenn das so ist, dann ist es eben so... Ob das Hinterfragen eine typisch weibliche Eigenart ist, das möchte ich gar nicht behaupten. Männer können so etwas auch, vor allem, wenn sie sich in einer der Heiligen Hallen namens Universität bewegt haben. Immerhin ein halbes Jahr verbrachten wir dort damit, eine unglaublich tiefsinnige und bereits mehrfach bestätigte Hypothese noch einmal zu bestätigen, die da lautete, dass man sich eher an unangenehme Dinge erinnert, wenn man mies drauf ist, an angenehme dagegen, wenn die Stimmung besser ist. Das ist Wissenschaft und nannte sich Experimentalpraktikum.
Überhaupt... jene Veranstaltungen zum Thema "Weibliche Wirklichkeiten" waren ja wirklich sehr interessant. Fragt mich nicht, worum es dabei ging, ich durfte ja nicht teilnehmen. Nein, stimmt auch nicht, ich war ja dabei... mit anderen Studenten in der Turnhalle. Zum Zwecke der Kinderbetreuung. Denn die Frauen wollten ja ungehindert, also kinderlos, sich den tiefsinnigen Inhalten widmen, ungestört über die Männerwelt herziehen und lernen, wie frau sich gegen einen (natürlich männlichen) Angreifer wehren kann und wo frau hinhauen muss, damit es IHM auch wirklich so richtig weh tut. Alles geheim, selbstverständlich, aber man kann es sich denken...
Und wir (political correct zu bezeichnen als "männliche Studierende mit pädagogisch-psychologischen Sonderaufgaben") wurden ganz schön angemacht, als wir in der Uni unterwegs waren, um Spielzeug, Bälle und solche Dinge zu besorgen. Schließlich sollten sich die Kinder (wenn schon) so richtig austoben können... "Ja, also, ich erklär Dir das mal: es gibt zwei Wirklichkeiten, die Weibliche und die Patriarchale" - so klang das damals aus dem Mund der Frauenreferentin. In der Mensa. Nach diesem Spruch klappten meine Ohren zu. Dass die Idee für das Motto "Weibliche Wirklichkeiten" von einem Mann stammte, blieb mir da gerade im Hals stecken. Argumentation hin oder her... manchmal sind Diskussionen eben nicht mehr fruchtbar. Irgendwann hat mann es satt, immer das gewalttätige Geschlecht zu sein, auf dem sich alles Üble der Welt versammelt. Irgendwann hatte ich es satt, mich für meine genetische Ausstattung ständig entschuldigen zu müssen.
Und Gleichberechtigung? Pah! Keine einzige Frau habe ich je getroffen, die sich dafür eingesetzt hätte, die Wehrpflicht für Frauen einzuführen... immerhin könnte frau ja alle per Definition zum Zivildienst verpflichten. Männerparkplätze??? Nie gesehen. Und wie war das noch mit den aufgemalten Fahrrädern auf der Straße, die plötzlich so verändert werden sollten, dass jedes Zweite eben keine gerade, sondern eine gebogene Stange haben musste, damit es als Damenfahrrad zu erkennen sei? Sprachliche Verrenkungen, Debatten über den Unterschied zwischen grammatischem und natürlichem Geschlecht... die Sonne ist ja bitte nicht weiblich, also... aber trotzdem, zugestanden, die Unterdrückung der Frau hat Tradition. Und wenn sie nicht mit dem "Selbstverständlich Mitgemeinten" zufrieden sind, dürfen sie auch explizit genannt werden. Oder in einem anderen Wortungetüm, am besten in einem Verbalsubstantiv, integriert werden. Aus dem Allgemeinen Studentenausschuss wurde also der Allgemeine Studierendenausschuss, der im Kontakt mit dem Studierendensekretariat für die Gleichbehandlung und so weiter... am besten gefällt mir immer noch die Beschreibung der Zitroninnen und Zitronen-Falterinnen und Falter, die auf den Bürgerinnen und Bürger-Steiginnen und Steigen flatterinnen und flattern.

Die Sammlung der Welttage hat im Jahr 2000 den Mann integriert, ihm einen Tag gewidmet, damit er zu Bewusstsein käme, mehr für sich, seinen Körper, seine Gesundheit tun solle... ob sich dadurch viel ändert, lässt sich bezweifeln.  "In my country a man is a man, and a woman is a woman" - das war der Spruch, den ein Mann aus Israel einem deutschen Ohrringträger entgegenhielt. In meinem Land ist ein Mann ein Mann und eine Frau eine Frau. In Deutschland ist Herbert Grönemeyers Frage "wann ist ein Mann ein Mann?" wohl immer noch unbeantwortet. Rollenklischees im Wanken, im Schwinden, in einem Prozess der Veränderung... allgemeine männliche Verunsicherung vielleicht. Die Frauen haben ja einen großen Vorteil, was Literatur, Reflexionen über Weiblichkeit und Rollen usw. betrifft. Aber wir groß ist der Vorsprung denn wirklich? Was bringt die Polarisierung, die Gegenüberstellung, die Auseinandersetzung mit Klischees? Oft genug, so meine These, führt sie in die Irre. Brauchen wir einen Männerbeauftragten? Einen Männerminister? Männerbüros und Männerberatungsstellen? Eine geschlechtsspezifische Therapie für Männer? In der Tat ist (vor dem Hintergrund der Erfahrungen in der Suchttherapie mit Alkoholikern und Drogenabhängigen) das Thema "Männlichkeit" sehr wichtig, Sucht (zumindest was Alkohol und Drogen betrifft) ein ausgeprägt männertypisches Problem. Männer sterben früher.. aber was sagen uns denn Zahlen wirklich? Und was haben wir davon, wenn mehr Mädchen sich am Komasaufen beteiligen, um der Gleichberechtigung willen? Nachdenken über Traditionen, Mythen, Rollenmuster... dort tiefer einzudringen löst so manches Vorurteil auf, deckt den Sinn so mancher Dinge auf, die unsinnig erscheinen mögen, aber ursprünglich sehr wohl hilfreich und nützlich waren. Also... vielleicht machen sich die Männer ja eines Tages wirklich auf die Suche, fragen neu nach den Prägungen der männlichen Psyche, dem Kriegermythos etwa, der mit roher Brutalität nichts zu tun hat. Fragen nach Werten, die dem männlichen Dasein buchstäblich und handfest Wert verleihen, lösen sich ab von der indirekten Definition der Männlichkeit über die weiblichen Erwartungen, dem Vorgegebenen und dem, was andere für richtig halten. Nach langem Nachdenken über die Frage, was denn nun männlich ist, blieb nur ein einziger Satz übrig. Männlich ist für mich, wenn ich für mich selbst definiere, was für mich männlich ist.

Mehr zum Thema: www.delicious.com/Dacapo12/Männer

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équilibriste 11/03/2008 21:54

Ich seh das so wie Katrin, und wir werden da schon nicht die einzigen sein :-)lg, nicoleBrauch jetzt ja nicht zu sagen, dass ich auch mindestens einen Artikel dazu hab...Da kommt man über KP und Lutz hin ;-)

Klaus-Peter 11/03/2008 21:35

Dein Hinweis auf die Mythen und Helden-Identifikationen erscheint mir auch ganz wichtig, vielleicht beim nächsten Männertag mehr (oder auch ohne Bindung an den Tag) ?

Methusalem 11/03/2008 21:54



au ja... siehe dazu u.a. das Kapitel "der wilde Geist des Mannes" in: BIDDULPH, Steve (1996). Männer auf der Suche. München: Beust Verlag GmbH.



Lutz Balschuweit 11/03/2008 20:50

Ja und wie Du bei mir im Blog schon richtig geschrieben hast...Mann kann diesen Tag auch einfach nur feiern :-) Lieben Gruß Lutz Balschuweit

Klaus-Peter 11/03/2008 11:02

Darf ich hier, als gelegentlicher Mitleser, den Link zu meinem Männetags-Beitrag hinterlassen? http://fressnet.de/blog/?p=1057

Methusalem 11/03/2008 19:20


...na klar, ich versuchs nochmal mit www.fressnet.de/blog/?p=1057, damit man ihn auch anklicken kann. Alles, was der Gesundheitsförderung dient,
ist hier strengstens erlaubt...


Sprechakt 11/03/2008 07:03

Ganz richtig, lasst Euch nicht von uns Frauen unterkriegen bzw. von dem, was Ihr glaubt, was die Frauen wollen ... das wollen wir nämlich gar nicht. Die Sprechäktin ... nee: Sprechakt.

Methusalem 11/03/2008 19:24


...nun ja, vielleicht wäre es an der Zeit, eine sprechakttheoretische Abhandlung über das weibliche Wollen, die männlichen Fantasien (vom weiblichen Wollen), die Differenzen zwischen beiden, sowie
alsbald die kommunikative Auflösung durch die Verständigung über das Wollen des Wollens, der inhärenten Missverständnisse und ihre potentielle Beseitigung zu verfassen... wobei eine (für mich) alte
Einsicht sich aufdrängt, dass nämlich überall dort, wo Männer und Frauen miteinander sprechen/kommunizieren/handeln streng genommen von interkultureller Kommunikation und Interaktion zu sprechen
(und zu schreiben) ist... Sprechaktress oder Sprechakteuse ist übrigens auch eine Idee...?