Konfliktfähigkeit und Konfliktbewältigung

Veröffentlicht auf von Methusalem

Zum Thema Konflikte und Konfliktbewältigung gibt es Berge an Literatur… dicke Bücher, die kaum jemand liest, weil sie sehr umfangreich und manchmal sehr schwierig sind… beim Stöbern habe ich eines meiner "alten" Scripten entdeckt, das ich hier leicht verändert veröffentlichen möchte.

Zunächst ein Merksatz, der zum Nachdenken anregen kann und soll:

 

ein

konflikt

zwischen

zwei

menschen

ist selten nur

ein

konflikt

zwischen

zwei

menschen

 

Die ausführliche Erläuterung erspare ich mir zunächst… auch die Erklärung der vielen Ebenen und Aspekte, die mit dem Begriff „Konfliktfähigkeit“ verbunden sind. Wenn es konkret werden soll, lässt sich Konfliktfähigkeit nicht „brauchbar“ beschreiben ohne die Situation, um die es geht. Anders formuliert:

Konfliktfähigkeit gibt es nicht „an sich“, sondern immer nur eingebettet in eine konkrete Konfliktsituation. Was sich in einer bestimmten Situation bewährt, kann in einer anderen Situation völlig falsch sein. Die logische Konsequenz daraus ist, dass die Möglichkeit zu wählen bessere Aussichten bietet, Konflikte zu bewältigen. Recht weit verbreitet scheint die Vorstellung zu sein, eine Konfliktlösung sei, wenn man sich „einig geworden ist“, also einen Konsens gefunden hat. Zur Frage der Lösungsmöglichkeiten also ein paar Denkanstösse:

 

-         in zwischenmenschlichen Konflikten ist ein Konsens nicht immer notwendig

-        Kompromisse sind oft „halbe“ Lösungen, mit denen alle Beteiligten „gleich unzufrieden“ sind

-        Konflikte zu „beseitigen“ reduziert Belastungen, ist aber meist auch mit Nachteilen verbunden

-        Sich gegen andere durchzusetzen kann das Selbstwertgefühl stärken, belastet aber die Beziehung(en).

 

Ein wichtiger Aspekt in der Konfliktbewältigung ist die Fähigkeit zu handeln – Konfliktfähigkeit ist Handlungsfähigkeit in Konfliktsituationen.

 

Gefahren und Prinzipien

 

Lösen vor Klären – zu schnell nach einer Lösung zu suchen, noch bevor die Konfliktsituation geklärt ist, das ist ein grundsätzlicher Fehler, der immer wieder zu beobachten ist. Der vorwurfsvolle Beginn eines Konfliktgesprächs, in dem eine bestimmte Lösung schon „vorgegeben“ ist, blockiert meist die Gesprächs- und Konfliktbereitschaft. Auf derselben Linie liegen vorgefertigte Lösungen, die für andere vielleicht nicht akzeptabel sind. Klären als Prinzip bezieht sich dabei auf mehrere Aspekte:

 

-         Was will ich erreichen? Was ist mir wichtig?

-         Worin besteht der Konflikt? Was ist eigentlich strittig?

-         Was ist möglich?

-         Was kann ich tun?

-         Was können wir tun?

-         Was wollen wir tun? …

 

Dabei möchte ich es im Moment belassen… und eine Frage stellen, die sich auf Erfahrungen bezieht: ist das Klären eine allgemein bekannte Methode, oder eher fremd und selten? Werden Konflikte in unserer Gesellschaft, im beruflichen und privaten Alltag geklärt oder eher unter den Teppich gekehrt? Ich bin gespannt auf Kommentare dazu…

 

Literatur:

GEISSNER, H. (1986). Sprecherziehung. Didaktik und Methodik mündlicher Kommunikation. 2. Auflage. Frankfurt am Main: Scriptor.

GRIESSHAMMER, R. (1993). Konfliktfähigkeit. St. Ingbert: Röhrig Verlag.

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