Belastungsgrenzen – wieviel kann ein Mensch aushalten?

Veröffentlicht auf von Methusalem

Die Grenzen der Belastbarkeit auszuloten ist ein schwieriges Projekt... offensichtlich gibt es dabei Unterschiede, was für wen wie belastend ist, wer was wie oft und in welchem Ausmaß aushalten kann. Ob es um persönliche, private oder berufliche Stressoren geht – irgendwo ist eben ein Endpunkt erreicht, an dem es irgendwie nicht weiter zu gehen scheint. Der englische Spruch „love it, leave it oder change it“ zeigt die drei grundsätzlichen strategischen Möglichkeiten auf. Das „love it“ ist, nimmt man die Übersetzung wörtlich, mehr als nur ein Annehmen, Akzeptieren und Dulden – es ist eine Neubewertung, die das bisher negativ Betrachtete zu einem wertvollen Faktor macht. „Change it“ - das ist die Frage nach Möglichkeiten, belastende Momente zu verändern, neu zu gestalten, was schwer auszuhalten, schwer zu ertragen ist. Und das „leave it“ schließlich läuft konsequent zu Ende gedacht auf die schwierigste Entscheidung überhaupt hinaus – eine Situation zu verlassen, die unerträglich geworden ist.

Im Laufe des Lebens stehen vielleicht alle Menschen einmal vor einer solchen Entscheidung – ob es nun darum geht, eine Beziehung zu beenden, den Wohnort zu wechseln, eine neue Stelle zu suchen oder ein Projekt zu beenden, das „über den Kopf gewachsen“ ist – Stressbewältigung, die sich nur darauf bezieht, mit einer Situation irgendwie zurecht zu kommen, lässt oft dauerhafte Belastungsmomente bestehen. Und so kommt es, dass sich viele Dinge nicht ändern, weil sie eben doch immer wieder irgendwie „erträglich“ gemacht werden. Grundfragen, sie sich hier stellen, beziehen sich auch auf Werte – was ist wichtiger? Die eigene Gesundheit, wenn bestimmte Situationsmomente krank machen, die Anpassung, das Einkommen, das Sich-Arrangieren mit dem Bestehenden, das irgendwie notwendig oder unverzichtbar erscheint? Wieviel Mut erfordert der Schritt zu einer grundsätzlichen Veränderung, die Neuorientierung und Umstellungen erfordert?

 

Es ist nicht leicht, in einem Moment, in dem die Grenzen der Belastbarkeit erreicht sind, noch einen klaren Kopf zu behalten, herauszufiltern, wo Veränderungen möglich sind und wo nicht, wie weit die Belastbarkeit eventuell noch „dehnbar“ ist und eine Neubewertung der Situation noch in Frage kommt. Vielleicht geht es dann nicht mehr um die Frage, Belastung ertragen oder nicht, sondern darum, welche Art von Belastung gewählt wird. Der mühsame Weg der Veränderung oder der mutige Schritt in das Neuland mit allen offenen Fragen, Unwägbarkeiten und der vielleicht bangen Frage, ob es denn dann künftig wirklich besser wird oder nicht.

 

Spätestens dann, wenn Veränderungen, die auf einem Verlassen der Situation beruhen, nicht zu einer Lösung grundsätzlicher Probleme geführt haben, scheint eine tiefere Ebene der Betrachtung nötig. Häufige Partnerwechsel mit immer wieder ähnlichen Problemen, häufiger Stellenwechsel ohne den Eindruck, das Passende gefunden zu haben, häufiger Ortswechsel ohne das „Heimatgefühl“ - ohne eine grundlegende Infragestellung des je eigenen Lebensentwurfs wird jeder Neuanfang vielleicht nur zu einer Neuauflage des Bekannten. Mit allen bekannten Belastungsmomenten, die an anderer Stelle in ähnlicher Weise immer wieder auftreten.

An der Grenze sinnvolle Entscheidungen treffen – das setzt voraus, in allen drei Bereichen gründlich nachzudenken.

  1. Gibt es Belastungsmomente, die ich neu bewerten kann? Jetzt, in meiner aktuellen Situation oder künftig, wenn ähnliche Belastungen auftreten?
  2. Gibt es Belastungsmomente, die ich verändern kann – oder hätte verändern können, wenn ich jetzt den Eindruck habe, dass es schon „zu spät“ ist?
  3. Gibt es Zeichen für Entwicklungen, die in eine immer unerträglicher werdende Situation hineinführen, Zeichen, die ich früher erkennen kann – oder hätte erkennen können?

Dahinter stehen grundsätzliche Fragen nach Interessen, Wünschen und Bedürfnissen, Rahmenbedingungen und Voraussetzungen für eine befriedigende Lebenssituation im persönlichen, beruflichen und privaten Bereich. Es gibt Einsichten, die sich vielleicht weitgehend verallgemeinern lassen:

  1. Niemand ist unbegrenzt belastbar. Grenzsituation können im Leben auftreten und bieten immer auch die Chance, sich selbst mit den eigenen Anliegen für das eigene Leben näher zu kommen.
  2. Manchmal scheinen alle Wege versperrt – meistens aber gibt es Wege, die nicht sofort sichtbar sind.
  3. Manchmal ist ein Ende mit Schrecken besser als ein Schrecken ohne Ende.
  4. Letzten Endes müssen wir alle unsere Wege selbst finden. Begleiten kann bedeuten zu klären – Ratschläge helfen in einer akuten Krisensituation meist nicht viel.
  5. Jede Krise enthält die Chance, zu wachsen. Krisen zu meisten ist wertvoller als das beständige Vermeiden, Dulden und Aushalten.
  6. Das Grundproblem in Krisen ist die Angst vor Veränderungen – ohne Mut kann Neues nicht wachsen, ohne Wagnis gibt es keine Chance auf Verbesserungen.
  7. Jede Nacht wird es dunkel. Im Vertrauen darauf, dass am nächsten Tag die Sonne wieder aufgeht, lässt sich das Dunkel jedoch gut aushalten.
  8. Es kommt darauf an, innere Blockaden zu überwinden, eine schwierige Situation aktiv in die Hand zu nehmen.

 Alles weitere ist eine sehr persönliche und individuelle Angelegenheit...

Veröffentlicht in Stress

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équilibriste 08/26/2008 23:41

Das wirst du uns demnächst erzählen, ja?

Methusalem 08/27/2008 22:43


...äh, ja, ich versuch's mal...


équilibriste 08/26/2008 23:29

Ich glaube ja schon, dass man es rechtzeitg merkt, bevor die Grenze erreicht ist - nur ist es nicht so leicht, sich das einzugestehen und dann "Stop" oder "Hilfe" zu rufen....lg, nicole

Methusalem 08/26/2008 23:36


...warum eigentlich?


Volkmar Mueller 08/25/2008 00:48

Hallo MethusalemDein Anspruch, dass Dein Blog dafür da ist, um Menschen zu finden, die mitüberlegen und helfen für eine Zukunft zu arbeiten, für die es sich zu leben lohnt, das gefällt mir und ist auch mein Anliegen meines Blogs und meines Vereins. Würde mich sehr freuen, wenn wir uns austauschen könnten, weiß aber noch nicht so richitg wie das hier geht. Wenn Du das liest, dann melde Dich doch bitte mal.Würd mich echt freuen. Volkmar

Methusalem 08/25/2008 21:56


E-Mail ist schon unterwegs...


Volker 08/23/2008 22:20

Da sdie Grenze der Belastbarkeit erreicht bzw. überschritten wurde,stellt man meist erst hinterher fest. Um daran etwas zu ändern, muß sich der Betroffene erst selbst ändern. 

Methusalem 08/25/2008 21:57


Okay, darunter verstehe ich zum Beispiel eine verbesserte Selbstwahrnehmung, die auf die eigenen Grenzen Rücksicht nimmt. Das, vermute ich, ist auch für einen Physiotherapeuten von Bedeutung...
oder?