Kontinuität im eigenen Leben

Veröffentlicht auf von Methusalem

Der rote Faden, der sich durch das eigene Leben zieht... wenn er zu finden ist, wird die Kontinuität sichtbar, die der eigenen Identität Stabilität verleiht. Skeptisch bin ich geworden im Laufe der Zeit, wenn es um die Vorstellung geht, so etwa im Alter von 18 Jahren habe sich so etwas wie "Identität" entwickelt. Wenn man über 30 Jahre alt ist und sich auf die Suche nach sich selbst machen kann, wenn mir ein Mann mit 52 Jahren erzählt, er fühle sich nicht erwachsen und wisse nicht, wer er sei... kann ich dann noch den Begriff "Identität" an einem bestimmten Lebensalter festmachen? Als allgemein gültige, für alle Menschen zwingende Feststellung auf jeden Fall nicht. Kontinuität aber lässt sich doch erkennen - Themen, die von Interesse sind, Fragestellungen, die nicht nur vorübergehend, sondern immer wieder auftauchen, Erfahrungen, die sich in ähnlicher Weise wiederholen... Anliegen, die sich entwickeln und stabil bleiben. Es ist, wie mir scheint, nun wirklich kein guter Tipp, wenn man einem Menschen sagt: "Bleib, wie Du bist". Wie schrecklich. Mit allen Irrtümern, allen Defiziten, allen unreifen Stellen, unausgegorenen Gedanken, allen Fehlentwicklungen... das Kontinuierliche, das, was dem Einzelnen Halt zu geben vermag, das kann und soll durchaus bewahrt werden. Aber ohne Wachstum, ohne Veränderung, ohne neue Schwerpunktsetzungen... bleibt die Entwicklung stehen. Fragen kann man ja: "wer bin ich?", okay, aber ist das hilfreich? Ist jenes "Ich" ein fest umrissenes, statisches "Etwas", das man irgendwann irgendwie abschließend erkennen, klar definieren und damit "festnageln" kann? Dagegengehalten die Aussage "ich bin nicht, ich werde" - und schon entstehen neue Fragen, ausgehend vielleicht von der Frage: "wie bin ich geworden?" und weiter führend zur Suche nach dem, "was aus mir werden kann". Das Kontinuierliche immer wieder neu in Formen einzubinden, ein verschiedenen Zusammenhängen das Konstante im Auge behalten und weiterführen - das ist ein Weg, "sich" im Wandel als stabil zu erleben und die dynamische Komponente des Selbst auszuschöpfen. Was bin ich geworden? Was kann ich tun? Was möchte ich erreichen? Welche unangenehmen Erfahrungen können mir zur Herausforderung werden, neue Anliegen zu formulieren, Ziele anzustreben? Stabilität - das ist die Kontinuität des Wandels. Das Flüchtige entsteht und verschwindet - dahinter offenbart sich dem Aufmerksamen die Erkenntnis von Weisheiten, die es wert sind, immer wieder neu gedacht zu werden, Weisheiten, die meist - uralt sind.


s. auch: Die Lebensgeschichte aufarbeiten

Veröffentlicht in Lebensentwurfarbeit

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