Informationstherapie in der Medizin

Veröffentlicht auf von Methusalem

Entdeckt und für gut befunden: ein Artikel über Informationstherapie in der Medizin, geschrieben von Annirudha Malpani, Arzt in Indien. Auf Englisch, deshalb möchte ich das Wichtigste in Kürze übersetzen. Das Gesundheitssystem sei krank, schreibt er, ein Eindruck, den Patienten und Ärzte teilen würden. Es würde mich nicht wundern, wenn diese Sichtweise auch in Deutschland Anhänger fände...es sei arztzentriert. Wenn man sich mit der personenzentrierten Gesprächspsychotherapie beschäftigt hat, wird deutlich, wo die Kritik ansetzt... sich auf die Sichtweise des Klienten zu konzentrieren und von dort aus der Frage nachzugehen, was im Einzelfall "passt", hat wirklich etwas für sich. In der Medizin bedeutet das aber ZEIT. Zeit aufwenden, die knapp ist und oft nicht bezahlt wird... Zurecht weist Dr. Malpani (ich verleihe ihm jetzt einfach mal den Doktortitel) darauf hin, dass immer mehr Informationen im Internet zur Verfügung stehen, das Monopol für medizinisches Wissen ist also längst nicht mehr so eindeutig bei den Medizinern gelagert. Konkret bedeutet es, dass die Fähigkeiten, das Wissen und das Interesse an der eigenen Gesundheit eine Ressource darstellen, die sich in der ärztlichen Praxis nutzen lässt. Und genutzt werden sollte. Nur... das Richtige zu finden, sich im Informationswald zurechtzufinden, das ist nicht immer einfach, ein Aspekt, bei dem ich ihm nur Recht geben kann. Mit einem Medizinstudium im Rücken ist das natürlich leichter, weil die Zusammenhänge bekannt sind, schneller erkennbar ist, welche Informationen zuverlässig und brauchbar sind... Dieser Hintergrund fehlt aber dem "Ottonormalpatienten" und mir als Nichtmediziner ja auch. Ich für meinen Teil würde mich da in aller Bescheidenheit dann doch an einem realen Menschen orientieren, der über die Zusammenhänge verfügt, aber jene, die sich mit umfangreichem Internetwissen bewaffnet für kompetent genug halten, ihrem Arzt sagen zu wollen, "wo es lang geht", können wirklich zum Problem werden. Dann gibt es Ärger, dann wird über Kompetenz gestritten... Einen Lösungsansatz sieht er darin, eine "patient education source" zu gestalten, was in vielen Kliniken ja auch praktiziert wird. Als "Med-Info" oder "Gesundheitsprogramm" bezeichnet werden Veranstaltungen, Vorträge und Diskussionsrunden angeboten, in denen sich Patienten über ein bestimmtes Problemfeld informieren und gleichzeitig Fragen stellen können. Die Skepsis gegenüber den Selbstinformationsmöglichkeiten im Internet teile ich ebenfalls - die direkte Begegnung hat immer den Vorteil, schneller auf Fragen der individuellen Situation eingehen zu können. Eine einfache Idee, die sich ebenfalls im Artikel findet, bezieht sich auf Wartezeiten: wer sowieso warten muss, könnte die Zeit nutzen, sich zu informieren. Ein "education resource center", übersetzt etwa ein Selbstinformationszentrum für Patienten, könnte als fester Bestandteil in Kliniken und Praxen die Behandlung unterstützen und gleichzeitig eine gezielte Auswahl von Informationen bereitstellen, die sich auf das jeweilige Spezialgebiet beziehen. "Every time you visit your doctor, please ask him to prescribe information!"

Die Bitte an die Patientenschaft ist also, sie mögen sich auch Informationen "verschreiben" lassen. Das könnte und sollte Schule machen: sich selbst um die eigene Gesundheit kümmern, nach zuverlässigen Informationen fragen und - aus medizinischer Sicht - Information als den Medikamenten ebenbürtiges Heilmittel begreifen.

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Veröffentlicht in Miteinander sprechen

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équilibriste 08/09/2008 20:59

... schau mer mal... :-)

Methusalem 08/11/2008 19:23


guckuck... :-)


équilibriste 08/02/2008 00:56

Personenzentrierte Geprächstherapie... war das nicht das, was die Ernährungsberatenden lt. E.-Umschau mit ihren Patienten/Klienten machen sollen? Offenbar haben wir -im Gegegsatz zu den Medizinern - Zeit...lg, nicole

Methusalem 08/04/2008 20:57


...ich hab da sone Idee...