Lass Dich nicht provozieren - Wege zur Souveränität

Veröffentlicht auf von Methusalem

Grundprobleme, die immer wieder auftauchen.... Männer lassen sich gern provozieren, gehen davon aus, dass "man sich nichts gefallen lassen darf", die Ehre verteidigt werden muss und so weiter. Spätestens dann, wenn Körperverletzungen mehrfach zu Haftstrafen geführt haben, kommt der eine oder der andere vielleicht auf die Idee, an dieser unerquicklichen Situation etwas zu ändern. Ein erster Schritt zur Veränderung ist die Einsicht, dass der bewusste Verzicht auf Gewalt kein Zeichen von Schwäche ist. Aggression und Gewalt in der Therapie zum Thema zu machen, bedeutet nicht, eine Gehirnwäsche in Richtung "Schwächling und Feigling" anzustreben. Souveränität, die Zielrichtung, um die es geht, das ist etwas ganz anderes.
Die Verhaltensanalyse leistet gute Dienste, wenn es darum geht, kritische Situationen genauer zu beleuchten - Auslöser zu identifizieren, also herauszufinden, was da "aggressiv macht", ist schon einmal ein Schritt. Manchmal sind es Belanglosigkeiten, manchmal aber auch verständliche "Reize", die in nachvollziehbarer Weise provokativ wirken. Beleidigungen etwa, Drohungen oder Beschimpfungen, herbe Kritik, Unterstellungen... worum es aber auch geht, ein weitere Schritt kann deutlich machen, dass zur gelungen Provokation immer zwei gehören. Einer, der provoziert, und einer, der sich provozieren lässt. Ansatzpunkt kann also sein, die anregenden Auslöser neu zu bewerten, zu fragen, ob alles wirklich so ernst zu nehmen ist, ob es sich lohnt, sich mit jedem Dahergelaufenen herumzuprügeln und damit das Risiko eines Verfahrens wegen Körperverletzung auf sich zu nehmen. Die ganze Angelenheit läuft darauf hinaus, Distanz zu dem zu gewinnen, was sich automatisch und unterschwellig vollzieht, so erscheint, als könne es gar nicht anders sein, in Wirklichkeit aber sehr wohl steuerbar ist. Etwas mehr Gelassenheit, ein Hauch von Distanz bahnt bereits den Weg zu mehr Souveränität, die sich als Wahlmöglichkeit zeigt. Leicht wird es da, wo es gelingt, solchen kritischen Situationen von Anfang an aus dem Weg zu gehen, Gegenden zu meiden, in denen Prügeleien an der Tagesordnung sind und - logischerweise - um Leute einen großen Bogen zu machen, die beim Blick ins Glas oder den Bierkrug beinahe mit dem Kopf steckengeblieben wären... Wer selbst unter Alkohol- und/oder Drogeneinfluss mehrfach gewalttätig geworden ist, findet im Überdruss über die daraus resultierenden Haftstrafen ein weiteres Motiv für die Abstinenz - sofern die eigene Freiheit überhaupt etwas bedeutet und das männliche Ego damit leben kann, sich auch ohne massive Gewaltanwendung stark fühlen zu dürfen. Von aussen betrachtet sieht die Geschichte nämlich ganz anders aus - wer sich oft und gern zu Gewalttätigkeiten hinreissen lässt und sich dabei besonder männlich fühlt, ist nicht stark, sondern einfach nur dumm. Das aber hilft nicht viel weiter, denn Souveränität ist nicht nur eine Frage der Intelligenz - es bedeutet eher, "darüber zu stehen", aus der kritischen Distanz zu eigenen Verhaltensmustern und der Einsicht in die Kreisläufe eskalierender Gewalt eine neue Dimension zu finden. Sich selbst mit seiner Gewaltneigung in die Gewalt zu bekommen, das ist Selbstkontrolle, Entscheidungsfreiheit und damit ein Prozess des Reiferwerdens. Es fehlt noch etwas, denn manchmal ist es nicht möglich, allen aus dem Weg zu gehen, die provozierend unterwegs sind... dort aber gibt es immer noch den Weg der Vernunft, das Bemühen um Klärung dessen, was da vielleicht beiläufig und unbedacht geäußert wurde. Männer, die sich gegenseitig Respekt erweisen, haben es nicht nötig, sich zu prügeln. Es geht auch anders.


s. auch: Aktion Männer gegen Gewalt

Veröffentlicht in Prävention

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