Selbstsicherheit kann man lernen

Veröffentlicht auf von Methusalem

Es ist im Prinzip einfach. Wenn man verstanden hat, was Selbstsicherheit bedeutet, wird auch einsichtig, dass man Selbstsicherheit lernen kann. Über die Frage, was Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl ist, kann man philosophieren und eine Menge an Theorien bemühen. Das ist zwar auch spannend, aber längst nicht so handfest wie die konkrete Arbeit am selbstsicheren Verhalten.

Naheliegend scheint es zu sein, Selbstsicherheitstraining als Methode einzusetzen, wenn jemand unsicher ist, nicht weiss, wie er oder sie sich verhalten soll. Selbstsicherheitstraining ist aber auch dann sinnvoll, wenn aggressive Verhaltensmuster vorherrschend sind und immer wieder zum Problem werden.

Was sich in Gruppen immer wieder zeigt, ist die Beobachtung, dass Unsicherheit in Aggressivität "kippen" kann, aggressives Verhalten also oft letzten Endes Ausdruck von Unsicherheit ist.

Selbstsicherheit hat etwas mit Wissen zu tun

Menschen, die sicher wirken, sich sicher fühlen, sind meist "Wissende" - Wissen vermittelt Sicherheit, vor allem dann, wenn es handfest, abgesichert und umsetzbar ist. Zum Wissen kommt das Können, das durch Übung und Erfahrung den besten Boden für die Entwicklung selbstsicheren Verhaltens darstellt. In der Abgrenzung wird deutlich, wie wertvoll das "Befähigen" für die Entwicklung der Selbstsicherheit ist - Unsicherheit als Wurzel vieler Probleme ist genauso wie Aggressivität oft eine Begleiterscheinung von fehlenden Fertigkeiten. Selbstsicherheitstraining ist eine Methode, durch Übung neue Fertigkeiten zu entwickeln bzw. vorhandene Fertigkeiten auszuarbeiten.


Konkrete Situationen

Zu den grundsätzlichen Situationstypen, in denen Sicherheit eine Rolle spielt, gehört das Bemühen um Kontakt (eine Variante ist das Muster "um Sympathie werben"), das Durchsetzen von Rechten und auch das Sich-Wehren, also Sich-selbstsicher-Behaupten, wenn Grenzen überschritten werden, Manipulationsversuche in den eigenen Entscheidungsraum eingreifen.


Rechte, Bedürfnisse und berechtigte Ansprüche

Wenn es um Rechte, Bedürfnisse und berechtigte Ansprüche geht, wird der Unterschied zwischen unsicherem und selbstsicherem Verhalten von aussen schnell erkennbar. Unsichere kennen ihre Rechte nicht oder nehmen sie nicht in Anspruch, stellen ihre Bedürfnisse eher zurück und verzichten auf viele Dinge, die ihnen im Prinzip zustehen würden. Sicherheit dagegen zeigt sich im Wissen um die eigenen Rechte, in der Klarheit, mit der eigene Ansprüche vertreten werden.


Aggressivität und Hilflosigkeit

Aggressives Verhalten als Gegenstück zur Selbstsicherheit tritt oft dort auf, wo Hilflosigkeit zur Sprachlosigkeit geführt hat - wenn die Argumente ausgegangen sind, scheint nur der aggressive Weg übrig zu bleiben. Im Umgang mit Ämtern und Behörden produziert dieses Muster eine Menge Ärger und führt regelmässig dazu, dass so mancher im Prinzip sinnvolle Antrag nicht bearbeitet oder schließlich abgelehnt wird. Sicherheit zeigt sich also auch in der Rücksichtnahme auf die Bedürfnisse anderer und berücksichtigt die Strukturen, in denen Ansprüche verhandelt werden.


Argumentieren und Verhandeln

Das Einüben von Argumentationsstrategien ist eine der effektivsten Methoden im Bereich des Selbstsicherheitstrainings - Sicherheit entsteht durch die Übung im Formulieren eigener Anliegen, im Begründen von Bedürfnissen, Wünschen und Zielen. Das Verhandeln schließlich zeigt das Bemühen um Lösungen, die nicht nur die eigenen Bedürfnisse berücksichtigt, sondern auch die Interessen und Anliegen anderer Menschen zur Kenntnis nimmt.

All das ist kaum mehr als eine grobe Skizze - dort aber, wo wir den Problembereichen Depression, Angst, Sucht und Gewalt etwas entgegensetzen wollen, müssen wir auch danach fragen, was wir für die Entwicklung selbstsicheren Verhaltens tun können. Eltern können sehr viel tun, um Kindern und Jugendlichen Hilfestellung und Rückendeckung zu geben, wenn es um Formalitäten und schwierige soziale Situationen geht. Lehrer und Ausbilder ebenfalls - alles, was zu einem gesunden Mass an Selbstsicherheit beiträgt, wirkt so ganz nebenbei auch präventiv.

Veröffentlicht in Psychotherapie

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