Psychotherapie und Psychoedukation

Veröffentlicht auf von Methusalem

Psychotherapie ist eine schwierige Angelegenheit - und manche scheinen nicht so recht etwas damit anfangen zu können, tun sich schwer damit, einen Zugang zu sich und den eigenen Problemen zu finden. Für die Praxis stellt sich dabei die Frage, in welchem Ausmass Wissen nötig ist, um überhaupt sinnvoll von einer Therapie profitieren zu können.

Grundsätzliche Dinge sind immer wieder erklärungsbedürftig - und dazu gehört vor allem die Frage, was Therapie überhaupt ist, was geschehen muss, damit Therapie "Sinn macht".


Leidensdruck und Krankheitseinsicht


So merkwürdig es klingt: Leidensdruck ist in der Therapie hilfreich, stellt oft den entscheidenden Impuls dar. überhaupt eine Therapie zu beginnen, sich auf therapeutische Prozesse einzulassen. Krankheitseinsicht schließlich bezieht sich auf die Erkenntnis, dass es um eine bestimmte Störung geht, die behandlungsbedürftig ist. Damit allein kommt allerdings noch lange kein konstruktiver Prozess in Gang - denn die Frage, was und wie und woran gearbeitet werden soll, ist damit noch nicht beantwortet.


Therapie braucht Ziele


So selbstverständlich ist das nicht, in der Psychotherapie Ziele zu formulieren. In der klassischen Psychoanalyse und in der nondirektiven Gesprächspsychotherapie nach Rogers waren Zielsetzungen unüblich, wenn nicht gar verpönt. Neuere tiefenpsychologische Ansätze, die zielorientierte Gesprächspsychotherapie und vor allem die Verhaltenstherapie arbeiten allerdings sehr deutlich mit Zielen. Wer also heute im ambulanten oder stationären Bereich eine Psychotherapie beginnt, kann damit rechnen, nach den eigenen Zielen gefragt zu werden. Genau das macht aber manchen erhebliche Schwierigkeiten - und so besteht oft ein Teil der Therapie zuerst einmal darin, brauchbare Therapieziele zu formulieren.


Therapie heisst Veränderung


Im Grunde einfach, aber in der Praxis eben doch nicht so leicht. Die Unterschiede zwischen den Vorgehensweisen in der Medizin und in der Psychotherapie sind im Alltagsbewusstsein nicht so deutlich verankert. Während in der Medizin der Begriff "Behandlung" für den Patienten eher etwas Passives mit sich bringt und wenig Eigeninitiative verlangt, ist die Haltung des "Sich-behandeln-Lassens" in der Psychotherapie eher ein Hindernis. Denn dort, wo es um die Veränderung von Einstellungen und Verhaltensänderungen bis hin zu Änderungen auf der "strukturellen Ebene" geht, geht der entscheidende Impuls stets vom Patienten aus - Aufgabe des Therapeuten ist es eher, herauszuarbeiten, an welcher Stelle ein eher vages Bedürfnis nach Veränderung konkret werden kann und WIE die beabsichtigte Änderung erreicht werden kann. Als allgemeines handlungsleitendes Prinzip ergibt sich dann für Therapeuten nicht der Gedanke, eine andere Person ändern zu wollen, sondern aufzuzeigen, wie Veränderungspozesse aus eigenem Antrieb in Gang gesetzt werden können. Spätestens dann, wenn sich das "andere" als "besser" zeigt, stabilisiert sich jede Veränderung gewissermassen von selbst.


Offene Fragen: therapeutische Themen in einem Blog?


Bei aller Problematik hat das zunehmende Informationsangebot zu medizinischen Fragen im Internet auch einen großen Vorteil: als Ergänzung zur Behandlung können Informationen zu höherer Effizienz der Therapie beitragen. Der Gedankengang zum Themenfeld "Psychotherapie und Psychoedukation" markiert hier eine wahrgenommene Lücke: wo kann man sich eigentlich darüber informieren, was in einer Psychotherapie genau passiert und wie man sich sinnvoll auf eine Therapie vorbereiten kann? In der Suchttherapie zeigen sich unklare Vorstellungen immer wieder als Problem - es genügt eben nicht, einfach mit dem Konsum aufzuhören. Eine sinnvolle Therapie setzt ein bestimmtes Mass an Wissen und Einsicht bereits voraus. Erst dann, wenn die Einsicht da ist, "ich habe ein Problem, brauche Hilfe, bin aber auch selbst gefragt, Ziele zu formulieren, Probleme zu benennen und aktiv an mir selbst zu arbeiten" kommt die Psychotherapie so richtig in Gang. Und das, denke ich, muss einfach mal gesagt bzw. geschrieben werden.

Veröffentlicht in Psychotherapie

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équilibriste 06/11/2008 06:47

Leidensdruck - Ziele - Eigeninitiative - Veränderung... das kommt mit ja sooo bekannt vor :-)lg, nicole

Methusalem 06/11/2008 22:53


...wie kommt's? :-)

lg Rolf