Tapetenwechsel braucht der Mensch. Allen Unkenrufen zum Trotz, die davon ausgehen, dass das menschliche Gehirn letzten Endes Sklave der eigenen Nervenbahnen ist, Freiheit somit eine Illusion des Bewusstseins darstellt, bleibt eine gewisse Flexibilität des Verhaltens nicht zu leugnen. Aktives Denken hält fit. Immer wieder, Tag für Tag, alles genau gleich zu machen, das ist der sicherste Weg, einzurosten. Stumpf zu werden. Unbeweglich zu werden. Routine braucht der Mensch. Routine entlastet, nimmt uns Denkarbeit ab. Es geht nicht ohne eingefahrene Muster, ohne das Alltägliche, immer gleiche, Vertraute und Sichere. Diese Routine führt aber auch dazu, dass manche Dinge kaum noch anders vorzustellen sind, es geht irgendwie nicht anders, scheint nicht anders zu gehen. Die Denkpsychologie beschreibt ein interessantes Phänomen - wenn man Versuchspersonen Aufgaben stellt, die nur durch eine bestimmte Berechnung zu lösen sind, ihnen dann schließlich eine Aufgabe vorsetzt, die im Prinzip viel einfacher zu lösen wäre, wählen die meisten den umständlichen Weg. Einfach deshalb, weil sie sich daran gewöhnt haben. Gewohnheitsfalle, so kann man es auch nennen. Mal was anderes - vielleicht bietet sich das Wochenende an, einmal darüber nachzudenken, wo Dinge im Alltag eingefahren sind, so automatisch laufen, dass es eintönig und langweilig geworden ist. Ganz einfach, ganz schlicht, lässt sich die Frage stellen, wo etwas Abwechslung neuen Schwung bringen könnte. Was ist, und schon lange so war, muss nicht notwendigerweise für immer so bleiben. So manches geht auch anders, und das - wäre mal was anderes.
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