Die Frage der Bewusstseinserweiterung, das Bedürfnis nach besonderen Erlebnissen und die Faszination veränderten Bewusstseins - so fremd diese
Motive auch erscheinen mögen, sie gehören zum Menschsein dazu. Der Konsum von Halluzinogenen ist mindestens so alt wie ein anderes Medium, das auf der Entdeckung beruht, dass sich durch Klopfen
Geräusche erzielen lassen. Musik als Medium: wenn ich das Bedürfnis nach Bewusstseinserweiterung anerkenne, andererseits den Gebrauch von
Halluzinogenen nicht befürworten will, stellt sich die Frage nach Alternativen. Musik ist eine solche Alternative, und ist für mich persönlich der entscheidende Grund, warum ich keine
Halluzinogene brauche. Abgesehen davon, dass mir die Realität meistens lieber ist...
Wie auch immer: irgendwie war es mir schon ein
Bedürfnis, herauszufinden, was es mit veränderten Bewusstseinszuständen auf sich hat, gleichzeitig aber auch, Wege zu finden, die zurück auf den Boden führen, die Verankerung in der Realität neu
begründen. Zumindest eines kann ich sagen: Musik hören oder selbst produzieren ist eine legale Angelegenheit, es gibt keine Horrortrips und keine Flashbacks. Dass man dabei die Welt um sich herum
vergessen kann, das könnte schon zum Problem werden... aber wer damit umzugehen lernt, hat einen Weg entdeckt, der wesentlich gesünder ist als der Gebrauch von Halluzinogenen. Vielleicht ist es
nicht so einfach, Musik hören zu lernen. Hören ist mehr als Sich-Berieseln-lassen, bei manchen Stücken ist es geradezu anstrengend. Das
Besonder im Musikerleben findet sich selten in den Charts, in dem, was sich als populäre Musik als Ohrwurm aufdrängt, nicht in dem, was sich so nebenbei ergibt. Die Prozesse des Sich-Einhörens,
die Wege zur Abstraktion des inneren Erlebens, das Wechselspiel von Eindruck und Ausdruck, das Sich-Verlieren und Sich-Wiederfinden in der Musik, all das hat viel mit Kunst zu tun.
Kurz gesagt: das, was manche Menschen in Drogen suchen, lässt sich auch auf anderen Wegen finden.
- Es gibt einen neuen Kommentar von R.V. - und meine Antwort darauf. Okay, dann ist es eben kein Trotz, mir soll`s recht sein... Einen Aspekt möchte ich aber noch ergänzen: der Versuch, den Konsum
von Suchtmitteln zu verstehen, führt früher oder später zu der Schlussfolgerung, dass es für manche durchaus eine Hilfe ist. Den Spruch "ohne Drogen könnte ich das Leben nicht aushalten"
zumindest habe ich öfter mal gehört. Aber es lässt sich zeigen, dass es geht. dass man tatsächlich ohne Drogen leben kann. Das WIE ist dann eine individuelle Angelegenheit und manche
brauchen eine Therapie dafür. Sicher ist: wer Drogen konsumiert, hat immer auch Gründe dafür. Wer darauf verzichtet, auch. Und die tiefste Ebene, die früher oder später zum Verzicht auf Halluzinogene und so manches
andere erst recht führt, ist das "Ja" zum Leben. Ganz einfach oder?
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