Das Selbstwertgefühl: ein zentraler Ansatzpunkt allgemeiner Prävention

Veröffentlicht auf von Methusalem

Wenn man sich mit verschiedenen psychischen Störungen und Krankheiten beschäftigt, fällt auf, dass das Selbstwertgefühl immer wieder eine wichtige Rolle spielt. 
Depressionen, Ängste, Essstörungen, Sucht in verschiedenen Ausprägungen - immer wieder zeigen sich Gedanken und selbstwertrelevante Schemata als die Auffassung, irgendwie nicht gut genug zu sein, anders sein zu müssen, sich selbst nicht annehmen zu können. Dabei zeigen sich häufig Sätze aus der Kindheit, Rückmeldungen und Einschätzungen der Eltern oder anderer Bezugspersonen, die zu einer Haltung geführt haben, sich selbst nur unter bestimmten Bedingungen oder mit mehr oder weniger grossen Einschränkungen akzeptieren zu können. Im Zusammenhang mit der Frage, wie sich als Gegenstück dazu ein gesundes Selbstwertgefühl entwickeln kann, möchte ich kurz die wichtigsten Ergebnisse einer Studie zusammenfassen, die von Stanley Coopersmith bereits 1968 veröffentlicht wurde (im Original: Coopersmith, St. (1967). The Antecedents of Self-Esteem. San Francisco: Freeman). 
Mehr als der soziale Status der Eltern, ihre Bildung oder ihr Vermögen spielt nach seinen Erkenntnissen die Beziehungsqualität eine Rolle - je nachdem, wie sich die Beziehungen eines Kindes zu den Erwachsenen entwickeln, bestehen mehr oder weniger gute Chancen, ein stabiles und gesundes Selbstwertgefühl wachsen zu lassen. 
Coopersmith beschreibt fünf Faktoren, die für Kinder mit einem hohen Selbstwertgefühl typisch sind:

1. Das Kind fühlt sich mit seinen Gedanken, Gefühlen und mit seinem Wert als Person absolut ernstgenommen.
2. Das Kind bewegt sich in einem klar definierten Rahmen und innerhalb von Grenzen, die fair, nicht erdrückend und verhandelbar sind. Diese Grenzen sind mit hohen Erwartungen, aber auch mit dem Vertrauen in das Kind verbunden, dass es in der Lage ist, ihnen gerecht zu werden.
3. Das Kind fühlt sich in seiner Würde als Mensch geachtet. Die Eltern verzichten auf Gewalt oder das Mittel der Demütigung, zeigen Interesse an seiner Entwicklung und stehen auf Wunsch für Gespräche zur Verfügung.
4. Die Eltern setzen hohe, aber dem Entwicklungsstand angemessene Maßstäbe und Erwartungen an das Verhalten und die Leistungen des Kindes und fördern seine besten Seiten.
5. Die Eltern zeichnen sich in der Regel selbst durch ein hohes Selbstwertgefühl aus. Sie sind ein Modell der Selbst-Wirksamkeit und der Selbstachtung.

 
Weitere Ausführungen zum Thema finden sich in einem Artikel von Dirk Kranz: "Selbstkonzept und Selbstwert fördern die Selbstständigkeit. Wie Eltern dazu beitragen können."


Literatur:
Branden, N. (1995). Die 6 Säulen des Selbstwertgefühls. Landsberg am Lech: mvg-Verlag.

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équilibriste 03/11/2008 16:31

Ha, geht doch!Also, interessant, das deckt sich mit den Erfahrugen die ich mit der Turn-Kindern (3-6a) so mache. V.a damit, wie's nach der Stunde in der Umkleide zugeht, wenn die Eltern dabei sind. Da kann man ganz gut nachvollziehen, warum bestimmte Kinder so sind wie sie sind, von wegen Selbstwertgefühl.Bei den Geckos (die kletter-kids) ist das ganz anders, da mangelt es keinem an Selbstwertgefühl (wir kennen alle auch privat), aber die AVler entsprechen auch nicht unbedingt der Durchschnittsfamilie. Und gerade klettern ist m.E. gut geeignet, um das Selbstwertgefühl zu fördern. Aber ich sollte hier keine Werbung machen, es boomt sowieso gerade...lg, nicole