Warum nehmen Jugendliche Drogen?

Veröffentlicht auf von Methusalem

Ein Beispiel soll verdeutlichen, was es mit der Suche und dem Nachdenken über Schemata auf sich hat... Thomas, 13 Jahre und schüchtern, möchte unbedingt "cool" sein und irgendwie "anerkannt" sein. Er trifft sich mit älteren "Kumpels", die ihm schließlich einen Joint anbieten. Das Angebot, das ist der Reiz (oder "Stimulus" in der Verhaltensanalyse). Die Organismusvariablen beschreiben, was im Innern des 13-Jährigen vor sich geht... nimmt er an und raucht den Joint oder nicht...
Sagt er sich "einmal ist keinmal", "die anderen machen es auch", "das gehört einfach mal dazu" haben wir Beispiele für kognitive Schemata, die den Erstkonsum fördern. Affektive Schemata beziehen sich auf Gefühle: Neugier, aber auch Unsicherheit, Angst, den coolen Kumpels ein Nein entgegenzuhalten können hier eine Rolle spielen. Motivationale Schemata: das Motiv, dazuzugehören, Anerkennung zu finden wird eher den Anschluss und das Mitmachen fördern. Instrumentelle Schemata - wenn Thomas schon Zigaretten geraucht hat wird der Joint auch nicht so schwer sein, vielleicht erstmal vorsichtig ziehen, damit er sich nicht durch Husten blamiert... Kontrollschemata - "ist das nicht verboten?"... spielt das eine Rolle... die Kumpels werden schon ihren Teil dazu beitragen, um ihm klar zu machen: du darfst! (Ich nenne das ein 'Permissionsschema'). 
Und dann... ist der erste Kontakt mit Drogen beschlossene Sache. Und dann nochmal und nochmal und nochmal, Entzugserscheinungen, irgendwie fehlt was, also weiter konsumieren bis zur Abhängigkeit... 

So einfach ist das, so schnell geht das. 

Oder anders: Thomas ist ein bisschen schlauer und weiss, das ein Joint eben nicht harmlos ist, ihn abhängig machen wird. Er könnte sich sagen, dass es die Sache nicht wert ist, auch wenn es im Moment "toll" sein mag. Sich andere Freunde suchen, woanders Anschluss suchen und auf die Kunstfertigkeit im Umgang mit dem Bong verzichten, weil er mit seinem Leben etwas Besseres anzufangen weiss. Echte Gefühle der Pseudogelassenheit unter dem Einfluss von Cannabis vorziehen. Und so weiter...

Dann sind andere Schemata wirksam und genau darum geht es im Prinzip.

Dasselbe lässt sich auch am Beispiel Alkohol durchdenken - allein die Information, dass Alkoholeinfluss früher oder später zum Kontrollverlust führt und das Komasaufen tödlich ausgehen kann, könnte genügen - wenn ein gewisses Mindestmass an vernünftigem Denken im Bewusstsein gerade mal präsent ist...

Veröffentlicht in Suchttherapie

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Methusalem 01/03/2008

Das sind ja interessante Neuigkeiten über das Leben der poetischen Overblogger... Es ist wirklich eine Grundfrage und scheint mir ein zentrales Thema zu sein: Selbstkontrolle. Der verantwortungsvolle Umgang und die Fähigkeit zum Genuss, das sind wohl (wieder oder immer noch) sehr aktuelle Themen. Es würde mich nicht wundern, wenn der ehemalige Vorsitzende auch heute noch etwas dazu zu sagen hätte - und ich hoffe, er tut es!Ich bin von neumodischen Sportarten wie dem Komasaufen nicht begeistert. Irgendwo hört der Spass auf. Ein bewusster und massvoller Umgang mit Alkohol - wie kommen wir da hin?lg Methusalem

Winfried Schley 02/03/2008

Wenn man einen Alkoholkranken durch die Spirituosenabteilung eines Supermarktes führt und zu ihm sagt: "Das alles dürfen Sie nicht trinken", wird ihm das kein bisschen helfen und ihn nicht heilen; denn genau darin besteht ja sein Problem. Er kann diesem Überangebot nicht widerstehen. Hinter jeder Sucht steckt eine unerfüllte Sehnsucht, die nach Tröstung schreit. Süchtig oder suchtgefährdet ist, wer sich mit Mitteln oder Verhaltensweisen trösten muss, die ihn selbst oder andere langfristig schädigen. Will er davon loskommen, muss er seine persönlichen Muster dazu durchschauen lernen  und sie Schritt für Schritt zu ändern versuchen. Sich einfach vorzunehmen, nicht mehr zu saufen, nicht mehr zu kiffen, nicht mehr zu rauchen, nicht mehr zu spritzen, keine Tabletten , kein LSD,  keine Aufputschmittel mehr zu nehmen, greift zu kurz.

Methusalem 02/03/2008

Das sehe ich auch so. Die Vorstellung, dass Abstinenz eine reine Willenssache sei und Sucht ein "Charakterproblem", ist falsch. Über die Abstinenzentscheidung habe ich aus den Erfahrungen in der Suchttherapie heraus viel nachgedacht - die Unterscheidung einer kogntiven und einer emotionalen Abstinenzentscheidung ist schon etwas weiter verbreitet. Aber das, was ich mit dem Begriff eines "mehrdimensionalen Prozesskonstrukts" meine, muss ich selbst nochmal genauer ausarbeiten. Die persönlichen Muster zu erkennen und zu verändern ist immer eine längere Angelegenheit - und manche brauchen mehrere Anläufe, mehrere Therapien dazu.Wenn es um Sehnsucht geht, deutet sich schon an, wo der Kern des Problems liegt: in der Frage, wie Menschen mit Gefühlen umgehen, mit Gefühlen umgehen gelernt haben. Das ist auch ein dickes Männerthema - Männer und Gefühle! Die trockenen Alkoholiker, die es lange Jahre geschafft haben, auf Alkohol zu verzichten, haben in diesem Bereich eine Menge gelernt. Und dieses Wissen, wie man(n) mit Gefühlen umgehen kann, sollte und müsste weitergegeben werden - ich denke, da ist eine große Chance, einen wichtigen Baustein der Suchtprävention zu entwickeln.lg Methudalem

Fleece 10/02/2010


Der Artikel nennt wohl alle denkbaren Möglichkeiten auf die dem Kind durch den Kopf gehen könnten. Allerdings finde ich es ziemlich merkwürdig wie du vom ersten Joint direkt auf den unumgänglichen
Weg in die Abhängigkeit kommst. Nur 2 Prozent aller Cannabiskonsumenten werden psychisch abhängig, körperliche Abhängigkeit gibt es hier nicht. Und das Cannabiskonsum zwangsläufig dazu führt das
man etwas Härteres ausprobiert, sie also als Einstiegsdroge dient, ist auch sehr umstritten und wird kaum zwangsläufig so sein. Ansonsten aber ein interessanter Artikel.


Anke 11/08/2010



Hallo ich heiße Anke und habe einen 12 Jährigen Sohn (Joshua).Joshua geht gerne zu einem Spielplatz wo er sich dann mit Freunden trifft,jetzt gibt es da ein Mädchen12 Jahre mit einer
Freundien12 Jahre die sich bei der Mutter immer Zigaretten klaut .Aber leider ist es nicht nur bei Zigaretten gebliebe sondern die kleine hatte jetzt auch schon einen Joint dabei und
versucht meinen Sohn die ganze Zeit zu überreden mal dran zu ziehen ,mein Sohn hatteihn auch in der Hand hat aber dann das Ding weg geschmissen !Als er nachhause kam erzählte er und sein Freund
mir davon und ich roch auch an seinen Fingern und es war so es roch nach Schit (hat halt seinen eigenen Geruch).Ich habe dann bei dem Vater der kleinen angerufen und es ihm erzählt er meinte dann
nur meine Tochter Raucht nicht und denn rest sowieso nicht !


Was soll ich jetzt machen ??


Der Vater nimmt es nicht ernst aber das Kind finde ich fängt schon früh zu Früh an ??


Was nu ? Anzeigen ?Ist aber ja erst 12 Jahre alt passiert also nichts !!


Das beste ist aber der Vater möchte mich jetzt Anzeigen !!