Probleme lösen

Veröffentlicht auf von Methusalem

Ein Schulfach "Denken"... das fehlt in unserem Bildungssystem. Probleme lösen zu können ist so elementar, dass es eine besondere Förderung durchaus wert wäre. Also: eine kleine Einführung ist vielleicht sinnvoll als Anregung. 
Das Leben gestalten heisst auch: Probleme lösen. 
Eine einfache Erklärung für die Beobachtung, dass manche Menschen mit ihrem Leben nicht klar kommen lautet: es fehlt an Strategien zur Problemlösung. Gesundheit fördern heisst dann: Probleme lösen lehren und lernen. 
Ein Schritt zurück: was ist eigentlich ein Problem? 
Eine grundsätzliche Unterscheidung bezieht sich auf offene und geschlossene Probleme. 
Ein geschlossenes Problem ergibt sich, wenn klar ist, welches Ziel erreicht werden soll, der Weg dorthin aber unklar oder blockiert ist. Ein offenes Problem liegt vor, wenn auch der Zielzustand unklar ist. Wenn sowohl das Ziel als auch der Weg dorthin klar ist, haben wir eigentlich kein Problem mehr vor uns, sondern eine Aufgabe. 
Insgesamt ist die Frage nach der Gestaltung des eigenen Lebens ein recht komplexes offenes Problem - Lebensziele sind in gewisser Weise willkürlich und die schwierigste Situation ist die Unklarheit in Anbetracht der Frage, wohin die Reise denn eigentlich gehen soll. Die Ziele, die sich ein Mensch setzt, entscheiden mit über die Art und die Vielfalt der Probleme, die sich daraus ergeben. Und die Annahme scheint vernünftig, dass die Einschätzung der eigenen Problemlösefähigkeiten ganz erheblichen Einfluss auf die Lebensqualität hat. 


Das PSZ-Modell und andere Strategien zur Problemlösung 

Das PSZ-Modell ist einfach. Und erscheint mir gerade deshalb sehr nützlich. 
P steht für Punkt: wo stehe ich jetzt? Z steht für Ziel: wo will ich hin? Und S steht für Schritte, aber auch Sinn: welche Schritte führen zum Ziel? Was ist mein nächster Schritt? 

Warum lösen Menschen Probleme? Eine einfache Antwort könnte sein, dass es in der menschlichen Natur liegt. Eine andere: Menschen lösen Probleme, weil sie ein Interesse daran haben, vielleicht durch ein Problem belastet sind und - weil sie sich lange genug damit beschäftigen. Umgekehrt gibt es eine Menge möglicher Hindernisse, die die Bearbeitung von Problemen erschwert - und das grösste dabei ist die Vorstellung, "keine Ahnung" zu haben, wie man ein Problem lösen kann. 

Fragen sind hilfreich 

Methodische Konzepte zur Problemlösung laufen immer wieder darauf hinaus, Fragen zu stellen, die der Problembearbeitung eine Struktur geben - und eine grundsätzliche Frage dabei ist die Frage nach der Definition. Worin besteht das Problem eigentlich? Versteht man ein Problem als eine Barriere, etwas das irgendwie im Weg steht, dann kann eine Fragerichtung sich darauf beziehen, das Problem zunächst etwas genauer unter die Lupe zu nehmen. Was ist es denn genau, was da im Weg steht? 
Das allein genügt natürlich nicht, denn nun stellt sich die Frage, wie die Barriere überwunden werden kann. Wie lässt sich die Barriere überwinden? Was kann ich tun, um zum Ziel zu kommen? In der Regel gibt es mehrere Lösungsmöglichkeiten und der nächste Schritt sollte dann sein, die gefundenen Lösungen zu bewerten - also eine Entscheidung zu treffen, welcher Ansatz konkret werden soll. Was will ich tun? Wenn der Lösungsansatz tauglich ist, bringt er den Prozess der Problemlösung zumindest einen Schritt voran. Wenn nicht, erscheint es sinnvoll, etwas anderes zu versuchen. Erfahrung bringt es in der Regel mit sich, dass wirksame Ansätze schneller ins Bewusstsein dringen - oft lassen sich Ansätze, die sich bereits bewährt haben, auch in anderen, ähnlichen Situationen sinnvoll nutzen. 

Zum Denken braucht man Zeit 

Es scheint zunächst eine unproduktive Tätigkeit zu sein, sich Zeit zum Nachdenken zu nehmen. 
Das Leben ist schneller und informationsintensiver geworden - und der Handlungsdruck in vielen Berufsfeldern gestiegen. Schnell muss es gehen - mit der Konsequenz, dass oft die Zeit zu fehlen scheint, in aller Ruhe über Lösungsmöglichkeiten nachzudenken. Die größte Gefahr dabei ist, dass Lösungsansätze realisiert werden, noch bevor das Problem selbst hinreichend untersucht ist. Es scheint auch eine typisch deutsche Neigung zu sein, nach einem Schuldigen zu suchen - irgendjemand muss etwas falsch gemacht haben und zur Verantwortung gezogen werden. Die Frage, worin das Problem denn eigentlich besteht, geht dann schnell verloren. 

Lebensgestaltung und Zeitmanagement 

Probleme gehören zum Leben. Sich dafür Zeit zu nehmen, Problemlösezeiten im eigenen Leben einen Rahmen zur Verfügung zu stellen, das ist ein Weg, aktiver und bewusster mit den eigenen Möglichkeiten umzugehen. Jedes gelöste oder "verkleinerte" Problem entlastet und macht das Leben angenehmer. Wer sich keine Zeit zum Nachdenken lässt, riskiert, dass aus kleinen Problemen immer grössere werden - mit unangenehmen Konsequenzen. 

Zuhören hilft 

Es gibt eine einfache Methode, andere Menschen bei der Entwicklung ihrer Problemlösefähigkeiten zu unterstützen: das Zuhören. Sich aussprechen zu können entlastet - auch dann, wenn nicht sofort eine Lösung sichtbar wird. Wenn wir im Sprechen unsere Gedanken formulieren, klärt sich so manches von selbst. Die Vorstellung "wenn mir jemand ein Problem erzählt, dann muss ich auch eine Lösung haben" ist oft eher hinderlich. Weitaus effektiver ist das Zuhören, verbunden mit klärungsorientierten Fragen - so können andere ihre Lösungen selbst finden.
  


Links zum Weiterlesen
: Wikipedia Problemlösen br-online: Denken
(link korrigiert am 24.01.2009)

 

siehe auch:

 "Ich darf gar nicht daran denken!" - Problemangst und ihre Bewältigung
 "Damit komme ich nicht klar"
 Problemanalyse (Wordle)

 

 

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Veröffentlicht in Psychologie

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