Donnerstag, 29. mai 2008

Virginia Satir ist schon beinahe 20 Jahre tot. Ihr Geist jedoch wirkt weiter - folgt man dem Text, den Marianne Krüll über sie verfasst hat. Die "Deklaration der Selbstachtung" ist eine Zusammenstellung von Gedanken, die es wirklich wert ist, immer wieder neu gedacht zu werden.

 

"In der ganzen Welt gibt es niemanden genau wie mich. Alles, was von mir kommt, ist nur von mir, denn ich allein habe es ausgewählt. Mir gehört alles, was ich bin: mein Körper, meine Gefühle, mein Mund, meine Stimme, alle meine Handlungen, ob sie sich auf andere oder auf mich selbst beziehen. Mir gehören alle meine Triumph-Erlebnisse und Erfolge, alle meine Versagenserfahrungen und Fehler. Da ich mir ganz gehöre, kann ich mit mir sehr genau vertraut werden."


So selbstverständlich ist diese Art des Erlebens nicht - psychotische Erfahrungen können sich auch darauf beziehen, sich selbst als getrennt vom eigenen Körper zu erleben, die eigenen Gedanken eben nicht als zu sich selbst gehörend wahrzunehmen. Das "Ich", das Virginia Satir beschreibt, ist ein bewusstes, körperliches "Ich", das sich selbst die eigenen Erfahrungen anzueignen vermag.

"Dabei kann ich mich lieben und mit allen meinen Teilen freundlich umgehen. Ich weiß, dass ich Aspekte habe, die unklar sind, andere, die ich nicht kenne. Aber wenn ich freundlich und liebevoll mit mir bin, kann ich voller Mut und Hoffnung nach Lösungen für die Unklarheiten suchen und nach Wegen, mehr über mich zu erfahren."


Alle meine Teile... Selbstachtung also bedeutet nicht, sich selbst "teilweise" anzunehmen und dabei so manches auszuklammern - auch das Unbekannte nicht, das sich als Unklarheit zeigt. Virginia Satir ist 72 Jahre alt geworden - und wenn sie diese Aussagen auch auf sich bezogen hat, dann bedeutet es, sie hat nicht alles über sich selbst in Erfahrung gebracht. Sie ist sich selbst bis zu ihrem Tod auch ein Geheimnis geblieben.


"Was ich sage und tue, sehe und höre, bin ich. Und was ich in einem bestimmten Moment denke und fühle, ist unverwechselbar Ich. Wenn sich später einzelne Teile als unpassend erweisen, wie ich mal aussah, mich anhörte, gedacht und gefühlt habe, kann ich das, was unpassend war, ablegen und den Rest bewahren, und ich kann etwas Neues erfinden für das, was ich abgelegt habe."


Entwicklung und Veränderung - Unpassendes ablegen, Neues erfinden. Ich kann mich verändern und bleibe doch "Ich". Veränderung bricht nicht mit der Kontinuität, und sie hat etwas Kreatives an sich. Das "Ich" wird hier nicht als etwas Festes, Unwandelbares gedacht, sondern als beweglich. Wenn jemand von sich sagt "ich habe mich verändert" - ist das dann etwas Passives oder ein aktiver Prozess?


"Ich kann sehen, hören, fühlen, denken, reden und tun. Ich habe Mittel, um zu überleben, um anderen nahe zu sein, um produktiv zu sein. Und ich kann die Welt der Menschen und Dinge außerhalb von mir verstehen und einordnen. Ich gehöre mir und deshalb kann ich mich steuern."


Fähigkeiten, Möglichkeiten. Ich kann, ich habe und schließlich: ich kann mich steuern.

Einfach gesagt, vielleicht erst nach längerem und häufigem Nachdenken in seiner Bedeutung wirklich erfahrbar... genauso wie der Schluss der Deklaration:


"Ich bin ich und ich bin okay."


Wie würde die Welt wohl aussehen, wenn es mehr Menschen gäbe, die genau dieses von sich sagen können?

 

Literatur:

KRUELL, M. (1992). Virginia Satirs Geist wirkt weiter. In: BOSCH, M. u. ULLRICH, W. (Hrsg.). Die entwicklungsorientierte Familientherapie nach Virginia Satir. 2. Auflage. Paderborn: Junfermannsche Verlagsbuchhaltung. S.37-41.

von Methusalem veröffentlicht in: Psychotherapie Community: Wellness und Gesundheit
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Donnerstag, 29. mai 2008

Langsam schleicht es sich an... mehr sag ich nicht. Was ich bei weitem nicht von allem behaupten kann, was ich so produziere... mir gefällt's.


von Methusalem veröffentlicht in: Musik Community: Wellness und Gesundheit
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Donnerstag, 29. mai 2008

Stunden hat es mal wieder gedauert, bis das Betriebssystem neu installiert war. Prinzipiell ist das ja so eine Idee, wenn man das mit Menschen auch machen könnte - mal ein neues Betriebssystem installieren... immerhin scheint die Technik immer menschlicher zu werden, wie kommt's, von wem sind die Dinger denn schließlich gebastelt worden? Immer menschlicher, ja, das heißt, immer schwerer zu durchschauen, immer komplizierter und vor allem: immer wieder auch mal eigenwillig.

Das mag ja daran liegen, dass sich Materie nun einmal nicht mit unbegrenzter Haltbarkeit produzieren lässt. Ein kleiner Kratzer hier, ein kleiner Kratzer da... und schon gehen Stunden drauf, bis die Installations-CD sich endlich gnädig dazu herablässt, das Insgesamt der nötigen Dateien auf den Rechner zu basteln. Bis es soweit ist, stürzt der Rechner erstmal ab. Und ab. Und ab. Und nochmal ab. Der Kampf also mit der Technik, ein Tauziehen des Willens, die Frage, wer am längeren Hebel sitzt.... Machtkämpfe beinahe, wie menschlich das Ganze doch ist.

Ein Abbild der Zwischenmenschlichkeit, aber auch der Dynamik des menschlichen Organismus. Die einzelnen Systeme brauchen einander und wehe, eines fällt aus. Kein Programm merkt sich alles, so wie Einstein, der es nicht für nötig hielt, sich zu merken, wie gross die Schallgeschwindigkeit ist. Wozu auch? Warum also sollte er seine grauen Zellen mit Infos belasten, die man in jedem Lexikon nachlesen kann? Programme machen es also auch so (Nachahmer, Hinterherläufer...) und benutzen Bibliotheken, DLLs genannt. Aber die ganz faulen, das sind im Grunde die Geräte.... ohne einen Treiber geht gar nix. So originalgetreu dem menschlichen Körper nachempfunden, der sich gelegentlich ja auch gegen jede Anstrengung wehrt... und es muss natürlich der richtiger Treiber, oder die richtige Treiberin sein, sonst bewegt sich gar nix.

Das Dateisystem: eine gewisse Neigung zur Adipositas lässt sich nicht leugnen, die Programme werden immer dicker, gerade weil sie up-to-date sein wollen. Und je mehr sie upgedatet wird, die Festplatte, umso schwerfälliger quält sie sich durch Bits und Bytes und kommt bei dem vielen Zeugs immer mehr durcheinander. Früher konnte man sie noch erkennen... die einzelnen Segmente, die beim Defragmentieren hin und her bewegt werden.... heute sind man nur noch Streifen. Wie im richtigen Leben: die Unordnung ergibt sich von selbst. Und ebenfalls wie im richtigen Leben kommen sich die Ordnung schaffenden Kräfte gelegentlich in die Quere. Da gibt es die Saubermänner, Cleaner, so wie Leon der Profi oder wie Mütter, die das wieder aufräumen dürfen, was Kinder "nur mal so kurz" temporär irgendwo deponiert haben. Das Chaos, das sind die Fragmente, die verstreut irgendwo herumliegen... logisch, je mehr Bestandteile, um so länger sind die Suchzeiten. Neudeutsch müsste also der Impuls zum Aufräumen also als Defragmentierungsaktion definiert werden und die Übertragbarkeit liegt auf der Hand. Irgendwie geht es immer wieder darum, zusammenzusammeln, was zusammengehört... so wie das deutsche Volk, das ja noch damit beschäftigt ist, Mauern zu überwinden... Schlimme Krankheiten kann man sich einhandeln, wie wahr, vor allem, wenn man sich in der Öffentlichkeit zeigt, sich irgendwo herumtreibt und einen Virus dabei einfängt. Wo kommen wir da hin, wenn sich die dummen Dinger einfach so fortpflanzen! Da muss dann schon mal ein Programm unter Quarantäne gestellt werden, ab und zu wird eine befallene Datei auch einfach ausgelöscht (wie brutal!), und muss dann ersetzt werden. Im Grunde kein Problem, Dateien gibt es ja genug, aber es muss eben auch die richtige sein. Selbst die Volkszählung ist an der Technik nicht vorbeigegangen, oder umgekehrt, sie hatte ja auch mehr als 20 Jahre Zeit dafür... alles muss registriert werden. Die Registry - die hat bestimmt ein Deutscher erfunden. Und der Papierkorb... na egal. Probleme gibt es, wenn irgendwo etwas nicht mehr zu finden ist, weil der Registrierungseintrag fehlt - wie im richtigen Leben also, alles muss seine Ordnung haben. Ohne Eintrag läuft nix.

So, genug gelabert. Ich logge mich jetzt ein und wenn dieser Artikel erscheint, dann weiss ich: es kann weitergehen im Blog.

von Methusalem veröffentlicht in: EDV Community: Wellness und Gesundheit
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Montag, 26. mai 2008

das denken braucht die sprache nicht

sprache wohl das denken


denken kann ich ohne worte

an manch verborgnem orte


meditieren und sinnieren

über vieles in der welt


auch über die berühmte frage

was sie im innersten zusammenhält


so manche einsicht mag sich dann

zeigen, entfalten, verdichten

und manches, was zuvor gedacht

als unstimmig vernichten


manches muss ich mir wohl auch

mühsam erst erringen

um es dann

mit noch mehr mühe

zur sprache hin zu bringen

von Methusalem veröffentlicht in: Poesie Community: Gedichte
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Donnerstag, 22. mai 2008

Ein interessantes Video fand ich neulich auf dem Blog "Rette sich, wer kann". Die Philosophie der Freiheit - interessante Gedanken, die nicht völlig neu sind, aber mit ihrer Prägnanz vielleicht doch immer wieder neue Anstösse zum Weiterdenken geben können.
Selfownership - übersetzt in etwa "Selbstaneignung", bezeichnet einen Begriff, zu dem der Gedanke gehört: mein Leben gehört mir. Im Moment möchte ich der Frage nachgehen, was diese Idee mit dem Phänomen Sucht zu tun hat. Als Gegenstück zum Suchtverhalten, zum Sichgehenlassen, Sich-Bestimmen-Lassen von einer Substanz, kann der Freiheitsgedanke eine mächtige Idee sein, die zur Abstinenz hilft.
Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft - Eigentum, Freiheit und das eigene Leben. Spätestens dann, wenn Süchtige immer mehr dazu übergehen, alles zu verkaufen, was sie haben, um ihren Konsum zu finanzieren, wird deutlich: Sucht zerstört das Eigentum. Spätestens dann, wenn deutlich wird, dass der "Stoff" immer stärker das Verhalten bestimmt, wenn sich das eigene Leben immer mehr um die Droge dreht, wird deutlich: Sucht zerstört die eigene Freiheit. Spätestens dann, wenn die Schädigung der eigenen Gesundheit nicht mehr zu übersehen ist, wenn das Leben immer kürzer wird, von immer mehr Folgeerkrankungen bedroht wird, wird deutlich: Sucht zerstört das eigene Leben.
Die Neigung zur Kriminalität, der schwindende Respekt vor anderen Menschen, ihrer Freiheit, ihrem Eigentum und ihrem Leben, zeigt die Zerstörung ethischer Prinzipien: wer mit dem Handel von Drogen beginnt, wer mit Diebstählen beginnt, anderen etwas wegnimmt, sie zum Drogenkonsum anstiftet und damit auch ihr Leben gefährdet, nimmt sich fremdes Eigentum, nimmt anderen die Freiheit und bedroht ihr Leben. Eine Gesellschaft, der Freiheit etwas bedeutet, die Freiheit als einen Wert erkennt und anerkennt, kann Sucht deshalb nicht einfach hinnehmen, denn Sucht bedroht einen Grundwert, längst bevor sie im Einzelfall in Kriminalität mündet. Suchtprävention und Suchttherapie als Ermunterung zur Freiheit zu verstehen setzt an diesem Gedanken der Selbstaneignung an.
Keine Substanz der Welt hat das Recht, mir mein Eigentum zu nehmen, keine Substanz der Welt soll mich dazu bringen, alles zu verkaufen, was ich mir rechtschaffen erarbeitet habe. Keine Substanz der Welt hat das Recht, mir meine Freiheit zu nehmen, mein Verhalten, mein Handeln zu bestimmen und als Kernprinzip meiner Lebensgestaltung über mich zu bestimmen. Keine Substanz der Welt soll meine Gesundheit so schädigen dürfen, dass sie mein Leben verkürzt, mir meine Zukunft nimmt. Wenn eine neue Generation heranwächst, die immer stärker dazu neigt, Drogen zu konsumieren, dann hat eine andere Generation versagt - es ist nicht gelungen, deutlich zu machen, was Freiheit und Leben bedeuten und wie wertvoll diese Werte wirklich sind. Im Laufe der Geschichte haben immer wieder Menschen gegen Unterdrückung und Sklaverei gekämpft - und dafür ihr Leben aufs Spiel gesetzt und geopfert. Heute... ist es schon beinahe Mode, Freiheit einfach wegzuwerfen. Jede Form der Sucht ist auch eine Form der Sklaverei. Mit Soldaten lässt sich hier kein Krieg gewinnen, aber der Kampfgeist gegen Unterdrückung ist hier trotzdem gefragt.
Und diejenigen, die jeden Tag neu um ihre Abstinenz ringen, sich gegen die Fremdbestimmung durch eine abhängig machende Substanz zur Wehr setzen, bekommen vielleicht langsam eine Ahnung davon, was Freiheit bedeutet. Sie wissen um die Schwierigkeit, für sich selbst zu sorgen, für sich selbst und das eigene Leben Verantwortung zu tragen.
Man das Thema auch aus einer ganz anderen Perspektive betrachten - viele Dinge sind gefährlich, bedrohen also auch den Wert Gesundheit. Und trotzdem sind sie legal, ein Verbot wäre politisch nicht durchsetzbar. Zur Freiheit gehört eben auch die Entscheidung, sich selbst in Gefahr bringen zu dürfen - und leider auch, andere in Gefahr bringen zu dürfen. 
Das Autofahren zu verbieten, weil dabei jemand zu Schaden kommen könnte, das wird sich nicht durchsetzen lassen. Sämtliche Suchtmittel zu verbieten und sämtliche Verhaltensweisen zu untersagen, die potentiell zu einer Sucht führen könnten, ist ebenfalls nicht realisierbar. Solange noch Wahlmöglichkeiten bestehen, lässt sich der Konsum von Suchtmitteln als Freiheit wahrnehmen - Freiheit, die man hat oder sich einfach nimmt. Im Spruch "high sein, frei sein" kommt diese Idee auch deutlich zum Ausdruck. Entwickelt sich daraus Abhängigkeit, kippt die Relation - und nach vielen Jahren zeigt sich dann die erlebte Freiheit als Illusion. Die Entscheidung für die Abstinenz markiert den Kampf um das Wiedergewinnen der eigenen Freiheit. Zuerst erscheint es als Verlust: ich darf nicht mehr.
Aber so mancher, der es geschafft hat, blickt später voller Mitgefühl auf die ehemaligen Saufkumpane, die eifrig weiterbechern und denkt sich: die müssen noch, ich nicht.

Freiheit ist ein schwieriges Thema - und wird als verabsolutierter Wert ein echtes Problem. Wenn Freiheit zu verantwortungsloser Fremdgefährdung führt, muss sie irgendwo auch ihre Grenze finden. Um zum oben erwähnten Video zurückzukommen: das Leben der anderen gehört mir eben nicht. Versteht man Selfownership auch als Selbstverantwortung, dann schliesst sie auch das eigene Handeln in ihrer Bedeutung und mit ihren Konsequenzen für andere ein. Ich glaube, dass Freiheit immer auch eine persönliche Bedeutungskomponente hat, mit sehr unterschiedlichen Vorstellungen verbunden sein kann. Gerade deshalb aber ist es spannend, immer wieder einmal darüber nachzudenken.

Was ist für mich Freiheit? Und: was ist mir meine Freiheit wert?

von Methusalem veröffentlicht in: Suchttherapie Community: Wellness und Gesundheit
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  • : 29.09.1962
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  • : Mein Name ist Rolf Grießhammer, ich bin Diplom-Psychologe und Sprecherzieher. Sinn und Zweck meines Blogs ist es, im Dialog mit anderen Menschen an einer Zukunft zu arbeiten, in der und für die es sich zu leben lohnt.

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