Mittwoch, 5. dezember 2007

Nehmen wir an, dass psychische Gesundheit etwas mit einem ausgeglichenen Wertesystem zu tun hat und Störungen bzw. Krankheiten oft damit zu tun haben, dass dieses Gleichgewicht nicht mehr gegeben ist - dann müsste das Bemühen um Auslgeich, die stärkere Betonung vernachlässigter Werte ein wichtiges Thema sein. Im Rahmen der Psychotherapie scheint es allerdings eher ungewöhnlich, nach Werten zu fragen und eine Klärung des je eigenen Wertesystems anzuregen. Gelegentlich ist dieser Ansatz aber auch unmittelbar einsichtig - dann nämlich, wenn Gesundheit als Wert lange vernachlässigt wird und irgendwann die Einsicht nicht mehr zu leugnen ist, dass es eben so nicht weitergehen kann.
Werte zu klären heisst dabei nicht, anderen vorzuschreiben, was ihnen wichtig sein soll. Um die schwierige Frage nach den eigenen Werten leichter zugänglich zu machen, sind Vorgaben als Angebote hilfreich - die Bedeutung der Begriffe und ihre Gewichtung sind dann eine persönliche Angelegenheit.

Aus der psychoaxiomatischen Balance mit den drei Eckpunkten Selbst, Bezogensein und Geist wurde im Laufe der Zeit ein Dreieck mit einem vierten Punkt in der Mitte: die Integrationswerte berühren meist alle drei Ecken und erweitern das Ideal der "fully functioning person", die Carl Rogers beschrieben hat, zur "fully functioning, fully balanced, fully integrated person". Die Abkürzung FBI ist dabei leicht missverständlich und hat nichts mit Einrichtungen in den USA zu tun... Balanciert und integriert ist also das Ideal. 

Die folgende Liste soll nicht mehr und nicht weniger sein als ein Denkanstoss, sie ist verbunden mit der Hoffnung, auf diesem Wege den eigenen Werten etwas näher zu kommen. Die Idee dabei ist: wenn ich weiss, was mir wichtig ist, dann weiss ich auch, wofür ich lebe.

S-Werte beziehen sich auf das SELBST. Was ist mir für mich selbst wichtig?

Beispiele für S-Werte (selbstbezogene Werte)

- Gesundheit
- Selbständigkeit
- Unabhängigkeit
- Persönliche Entfaltung
- Sicherheit
- Wohlstand
- Selbstverwirklichung
- ...

B-Werte beziehen sich auf die BEZÜGE zu anderen Menschen und der Umwelt

Beispiele für B-Werte (beziehungsorientierte Werte)

- Kontakt
- Harmonie
- Liebe
- Frieden
- sozial-ökologische Verträglichkeit
- Umweltschutz
- Gemeinschaft
- ...

G-Werte sind abstrakte Ideen - Werte, die sich nicht direkt auf Menschen beziehen, aber durchaus in verschiedenen Zusammenhängen von Bedeutung sind oder bedeutsam werden können

Beispiele für G-Werte (geistige Werte)

- Wahrheit
- Frieden
- Gerechtigkeit
- Sinn
- Kreativität
- Kultur
- Leben
- ...

Integrationwerte schliesslich beziehen sich auf mehrere Wertbereiche, auf die innere und äussere Integration

Beispiele für I-Werte

- Gleichgewicht
- Zugehörigkeit
- Eingebettet sein
- Ganzheit
- Balance
- ...

Lebensgestaltung bedeutet insgesamt, Werte bewusst zu entwickeln und zu gestalten - im Idealfall sind dabei alle Bereiche vertreten und bilden ein ausgewogenes Ganzes.

von Methusalem veröffentlicht in: Lebensentwurfarbeit
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Mittwoch, 5. dezember 2007
Suchtmedizinische Tagung in Rostock: Die Suchttherapie muss neue Wege gehen...
http://portal.gmx.net/de/themen/gesundheit/krankheiten/psyche-sucht/5054780-Tagung-Suchttherapie-muss-neue-Wege-gehen.html

Sucht ist ein grosses Problem. Die Aussage des Chefarztes Dr. Köhnke, dass die Suchttherapie neue Wege beschreiten müsse, lässt sich dabei nur dreimal dick unterstreichen. Dabei ist der Gedanke, dass das Umfeld von Schule und Familie mit einbezogen werden müsse, alles andere als neu. Nur leider... finanziert wird eben nur die Therapie mit einer einzelnen Person und es muss eben eine Störung mit Krankheitswert vorliegen, damit eine Therapie überhaupt finanziert wird. Für Prävention wird zu wenig getan - und so wie sie manche Ärzte wünschen, dass Krankheiten gar nicht erst entstehen, die Patienten mehr auf eine gesunde Lebensführung achten sollten, wünschen sich eben auch manche Psychotherapeuten, Sucht würde gar nicht erst entstehen. Am einfachsten wäre es, wenn der Griff zu Suchtmitteln gar nicht erst erfolgen würde. Nur: wer bringt jungen Menschen bei, ohne Drogen zu leben?

Unser Gesundheitssystem krankt daran, dass es zu spät greift - dann erst, wenn schon viel zu viel geschehen ist, das sich dann eben nicht mehr rückgängig machen lässt.

Im übrigen - wieviele Drogenabhängige stammen denn eigentlich aus einer intakten Familie? Wieviel von ihnen haben einen Schulabschluss, eine Berufsausbildung, sind in die Gesellschaft integriert, haben Antworten auf existenzielle Fragen gefunden und sind mit ihrem Leben zufrieden? Wenn die Vorstellung sich breit macht, dass das Leben ohne Drogen nicht mehr auszuhalten ist, wenn es der Gesellschaft nicht mehr gelingt, Perspektiven, Halt und Orientierung zu bieten, dann läuft irgendetwas schief. Zweifelhaft ist das Bemühen um Anerkennung, wenn es voraussetzt, "cool" zu sein, sich beim Komasaufen, durch Einbrüche oder möglichst heftigen Konsum unterschiedlichster Drogen zu "beweisen". Bewiesen wird damit nur eins: dass jungen Menschen eben nicht beigebracht wird, Gefühle zu verarbeiten, Probleme zu lösen, ihr Leben sinnvoll zu gestalten.

Lebendig geblieben ist mir die Erinnerung an einen Privatdozenten, der in einem Seminar zum Thema Prävention von seinen verzweifelten Bemühungen berichtete, deutlich zu machen, dass Alkohol eine Droge ist. Nein, Bier sei eben ein Grundnahrungsmittel, wurde ihm entgegengehalten. Zweifellos - manche Menschen können mit einem mässigen Konsum von Alkohol sehr alt werden. Dort aber, wo die Anfälligkeit zur Entwicklung von Abhängigkeit gegeben ist, gibt es eben keinen "kontrollierten Konsum". Erlebnishunger, Party, etwas Besonderes erleben, Neugier... wenn Drogen selbstverständlich werden, wird die eigene Freiheit aufgegeben. So recht verstanden habe ich das nie - was ist eigentlich so toll daran, sein Leben immer mehr von einer einzigen Substanz bestimmen zu lassen? Was ist so schlau daran, bei jedem unangenehmen Gefühl sofort nach einer Pille zu schreien, die das Ganze "wieder weg macht"?

Jene, die auf Drogen verzichten, haben vielleicht etwas Besseres mit ihrem Leben vor. Vielleicht ist es an der Zeit, die Gründe herauszuarbeiten, die Elemente zu erkennen, die der Entstehung von Abhängigkeit entgegenwirken. Und vielleicht ist es das einfache Motiv, sein Leben selbst bestimmen zu wollen - und frei zu sein. Manche erkennen sehr spät, dass der Spruch "High sein - frei sein" nichts anderes ist als eine gefährliche Illusion.

Was auch immer an Drogen "hilfreich" sein mag - es bleibt kurzfristig, begrenzt, fragwürdig. Und fordert einen hohen Preis. Den höchsten: das Leben selbst.

von Methusalem veröffentlicht in: Suchttherapie Community: Gesundheit
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Mittwoch, 5. dezember 2007


Es ist eine Besonderheit des menschlichen Geistes, über sich selbst nachdenken zu können.

Im günstigen Fall führt dieses Nachdenken zur Klarheit, zur Erfahrung, zu sich selbst zu finden und damit in sich selbst Halt zu finden. Aber zunächst: wenn "ich über mich nachdenke", wer denkt da über wen nach? Was ist denn dieses "Selbst", über das da nachgedacht wird und wo finden sich brauchbare Ansatzpunkte? Wer bin ich denn in Wirklichkeit?

Die Wirklichkeit ist bereits ein Ansatzpunkt, die eigene Geschichte, aber auch hier lässt sich weiter fragen - was ist denn eigentlich Wirklichkeit und wie wirklich ist die Wirklichkeit?

Wer Erfahrungen mit Vorstellungsrunden gemacht hat, kann vielleicht die Beobachtung bestätigen, dass die meisten sich mit ihrem Namen, ihrem Alter und ihrem Beruf vorstellen, meist kommt noch der Familienstand dazu, Kinder usw. Der eigene Name ist dabei etwas, das wir in der Regel als "zu uns gehörend" wahrnehmen, im inneren Selbstgespräch "spreche ich mich selbst mit meinem Namen an". Dort findet sich eine erste Antwort auf die Frage "wer bin ich?".
Erkannt ist damit allerdings noch nicht sehr viel. Konkreter wird die Frage nach dem eigenen Beruf, den Gründen für die Berufswahl, die Interessen, die damit verbunden sind, die Motive für die Ausübung einer bestimmten Tätigkeit. Persönliche Beziehungen, Freundschaften, Partnerschaft, Familie und Ehe oder eben das Singledasein, Hobbies und Besonderheiten führen schließlich näher an das Individuelle des je eigenen Lebens heran. Spannungsfelder werden sichtbar, Konflikte, die das Leben prägen und die Frage, ob die einzelnen Lebensfelder in einem harmonischen Verhältnis zueinander stehen. Vielleicht zeigt sich hier und da Unzufriedenheit mit dem eigenen Leben, die überhaupt erst den Anlass für das Nachdenken über sich selbst darstellt.

Wer sich die Bescheidenheit zu eigen macht, die vollständige umfassende Selbsterkenntnis niemals erreichen zu können, wird sich damit begnügen, mehr über sich zu erfahren, das Selbstbild zu ergänzen, zu korrigieren und dadurch authentischer zu werden.
Leider führt das Nachdenken über sich selbst nicht immer zu klaren Einsichten - es kann verwirrend sein, Fragen zu stellen, quälend, keine Antworten zu finden, in endlosen Überlegungen gefangen zu sein. Die Erfahrung, sich selbst irgendwie im Weg zu stehen oder "um sich selbst zu kreisen" kann sehr unangenehm sein. Die einfachste Methode, diesem Dilemma zu entrinnen, ist die Wahl eines konkreten Bezugspunkts. Sich selbst im Bezogensein auf andere Menschen zu reflektieren bietet den sozialen Vergleich als Hilfestellung an. "Der Mensch wird am Du zum Ich", schrieb Martin Buber. Anders formuliert:

"Ich" "an und für mich" "bin" nicht - Identität gibt es nur in der Relation.

 

von Methusalem veröffentlicht in: Lebensentwurfarbeit
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Mittwoch, 5. dezember 2007

Anmerkung: 
Das Rahmenkonzept für die Ausarbeitung eines individuellen Lebensentwurfs ist ein Vorschlag. Im Laufe des Lebens kann und muss sich auch der Lebensentwurf ändern. Die Art und Weise, wie ich mich selbst wahrnehme und verstehe, wird sich ändern, Werte können sich verändern, in ihrer Bedeutung an Gewicht gewinnen oder verlieren, die Ziele werden sich ändern und die Themen, die jeweils im Vordergrund stehen, ebenfalls. Wer sich von Zeit zu Zeit mit dem eigenen Lebensentwurf beschäftigt, kann feststellen, dass sich bestimmte Themen wie ein roter Faden durch das Leben ziehen. Der Lebensentwurf ist dann eine Hilfe, für sich selbst herauszufinden, wie das Leben aussieht, das "mir in meinem tiefsten Innern entspricht". Es ist ein schwieriges Unternehmen, das viel Zeit und Nachdenken erfordert. Ein Ansatz für Menschen, die ihr Leben nicht auf Sand aufbauen wollen. Menschen, die etwas erreichen wollen. Anlass für die Entwicklung des Konzepts war nicht nur das Bemühen um Klarheit über mich selbst, sondern auch die Beobachtung, dass Menschen in Krisen geraten und dort erkennen können, dass sie mit ihrem Lebensentwurf gescheitert sind - und dann stellt sich die Frage, ob sich aus der Trauer über das Misslungene oder Nichtmehrmögliche eine Herausforderung entwickeln lässt, die da heisst: das Leben fordert eine neue Sinngebungsleistung von mir. Sich selbst neu bestimmen bedeutet dann, das eigene Leben neu zu entwerfen.


Kernthesen
Wie sehe ich mich selbst? 
Wer bin ich, was bin ich und was ist mir grundsätzlich wichtig?

Werte
Was sind meine Werte und was bedeuten sie für mich?

Ziele
Warum sind mir die Dinge wichtig, die mir wichtig sind?
Was will ich erreichen?
Was sind dabei Richtungsziele?
Was sind langfristige, mittelfristige, kurzfristige Ziele?
Passen meine Ziele zueinander, bilden sie eine Einheit oder bestehen Spannungsfelder und Konflikte?

Motivation
Was motiviert mich, meine Ziele anzustreben, meine Werte zu verwirklichen, meine Aufgaben wahrzunehmen?


Handlungsfelder
Welche Struktur hat mein Leben?
Welche Handlungsfelder sind für mich wichtig?
Welche Aufgaben stellt mir mein Leben in den einzelnen Handlungsfeldern?
Welche Aufgaben stelle ich mir selbst? 

Meine Lebensgeschichte
Wie kann ich die Phasen meines Lebens beschreiben?
Wie könnten die Überschriften für die Kapitel im "Buch meines Lebens" lauten?
Welche Erinnerungen möchte ich mir bewahren, was habe ich an Lehren aus meinen Erfahrungen gezogen, welche zentralen Einsichten gewonnen?

Lebensthemen
Welche Themen ziehen sich wie ein roter Faden durch mein Leben? 
Was denke ich über diese Themen?

Realität
Wie nehme ich meine Realität in der Gegenwart wahr? In welcher Welt lebe ich?
Welche Bereiche interessieren mich, was beschäftigt mich, womit möchte ich mich auseinandersetzen?

Meine Rollen
Welche Rollen "spiele" ich im Moment? Wie kann ich und wie will ich sie gestalten?

Zukunftsperspektiven
Wie könnte meine Zukunft aussehen? 
Welche Visionen, welche Perspektiven sind möglich?
Was möchte ich gern erreichen, in der nahen Zukunft, in den nächsten Jahren?

Mein Lebenswertgefühl
Was gibt meinem Leben Sinn und vermittelt mir die Erfahrung, ein echtes und wertvolles Leben zu führen? 


Schlussbemerkungen
Ein Entwurf ist ein Entwurf und nicht das Leben selbst. Der Lebensentwurf kann, soll und muss stets ein Entwurf bleiben, ist vielleicht zunächst eine Ansammlung von Fragmenten, die sich im Laufe der Jahre ordnen. Die Fragen sind schwierig und die Antworten nicht leicht zu finden. Bei allem Nachdenken sollte eines nicht vergessen werden: das Leben selbst. Alles, was nicht gelebt wird, was als Idee nicht Wirklichkeit zu werden vermag, bleibt Theorie, Gedanke, Fantasie. Einen Lebensentwurf zu entwickeln, dazu gehört auch der Mut zum Träumen. Wer aber nicht den Mut zum Träumen hat, der hat auch nicht die Kraft, an einer Zukunft zu arbeiten, in der und für die es sich zu leben lohnt.


von Methusalem veröffentlicht in: Lebensentwurfarbeit Community: Gesundheit
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Dienstag, 4. dezember 2007

meine augen werden warm und schwer
was mir zu bunt wurde, sehe ich nicht mehr
jeder stress entweicht aus diesen räumen
und lässt mir jetzt die zeit zum träumen

am weissen wolkenhimmel fliegt etwas - ich glaube,
es ist eine weisse taube
die weissen federn in der sonne
spüren die wärme voller wonne

friedlich dreht sie ihre kreise
fliegt durch luft und wolken, leise
bringt sie mir die ruhe zurück
ich begleite sie mit meinem blick

gehe über weissen sand
entlang an einem weissen strand
spüre die weissen körnchen an den füssen
und will diese friedliche stimmung geniessen

meine taube, klein und weiss
dreht noch einen letzten kreis
jeden stressreiz nimmt sie mit
langsam werd ich wieder fit

meine augen entspannen sich auf die schnelle
und blinzeln langsam wieder ins helle

von Methusalem veröffentlicht in: Übungen Community: Gesundheit
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  • : 29.09.1962
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